Veranstaltungsort:
Gemeindesaal der Syrisch-Orthodoxen Mor Hushabo Kirche, Beslauer Str. 15-17, 35415 Pohlheim
Einlass am 18.6.2017 12.00 Uhr, Beginn 13.00 Uhr

102 Jahre Genozid – Flucht und Vertreibung halten an

 
Flucht und Vertreibung gehören in das kollektive Gedächtnis unseres Gewissens
 
Wann sind Flucht und Vertreibung legitim und wann spricht man von einem Verbrechen?
 
Von einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit oder sogar einem Genozid?
 
Gilt ein Genozid erst als Genozid und damit als Verbrechen, wenn er die in der UN-Charta festgelegten Kriterien erfüllt und nach ihrer Verabschiedung begangen wurde? Was ist mit den Taten davor, die diese Kriterien genauso erfüllen?
 
Wie beispielsweise die Massendeportationen der christlichen Bevölkerung im Osmanischen Reich zwischen 1915 und 1918, bei der ein Großteil der Christen ums Leben kam? Aus der Sichtweise der heutigen Türkei betrachtet erfolgte dies zwischen den Wirren des Krieges als notwendige Maßnahme, um das Land zu schützen. Aus dem Blickwinkel der Nachfahren der Opfer – Armenier, Aramäer, Assyrer, Chaldäer, Pontos Griechen … – war es ein Genozid, den es anzuerkennen gilt.
 
Darf eine erzwungene Vertreibung damit begründet werden, dass die, die einen Krieg begonnen haben und Millionen Menschen in Zwangslager steckten und ermordeten, nun ebenfalls kollektiv für diese vorangegangenen Kriegsverbrechen bestraft werden müssen?
 
So geschehen nach dem zweiten Weltkrieg bei der weltweit größten Massenvertreibung von Deutschen aus den Ländern östlich von Oder und der Lausitzer Neiße – Schätzungen sprechen von ca. 12 – 14 Millionen Vertriebenen mit über einer Million Toten.
 
In einem Rechtsgutachten, welches 1991 im Auftrag der Bayerischen Staatsregierung erstellt wurde, kam der UN – Völkerrechtsberater Felix Ermacora zu dem Ergebnis, dass die Vertreibung der Sudetendeutschen zwischen 1945 und 1947 und die fremdbestimmte Aussiedlung nicht nur der Atlantik – Charta widersprachen, sondern auch der UN-Charta. Entsprechend wurde die Vertreibung als Völkermord und als Verbrechen gegen die Menschlichkeit definiert, welches nicht verjährt.
 
Müsste man in diesem Zusammenhang, wenn man nun fair vorgeht, nicht alle Genozide der Vergangenheit, egal auf welcher Seite, aufarbeiten?
 
Und wenn ja, wie weit darf man in der Zeit zurückgehen?
Haben wir angesichts der unvorstellbaren Gräuel, die Extremisten wie beispielsweise der IS gegenüber den Jesiden an den Tag legen, in der heutigen Zeit überhaupt noch das Recht dazu, uns darüber mit den Nachfolgestaaten derer, die Verbrechen begangen haben, auseinanderzusetzen?
 
Welches Resultat die Auseinandersetzung mit den eigenen Verbrechen haben und wie ein Land zum Positiven hin geformt werden kann, zeigt Deutschland, welches nach dem zweiten Weltkrieg die unfassbaren Verbrechen an Millionen Menschen in der Gesellschaft Schritt für Schritt aufarbeitet und dafür sensibilisiert.
 
Über damalige, jetzige und zukünftige Entwicklungen, die dieses Thema betreffen, werden wir uns am 18.06.2017 mit unseren Podiumsteilnehmen, die alle ihre eigene Geschichte zu erzählen haben, unterhalten.
 
Wir freuen uns auf konstruktive und kritische Gespräche!
 
 
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