Frauenrechte und Demokratie – Erste Plenarsitzung des Bayerischen Integrationsrates
 
Jahrelang war Martin Neumeyer das Gesicht in Bayern, wenn es um das Thema Integration ging. Jahrelang war er der Integrationsbeauftragte Bayerns und erfüllte in dieser wichtigen und seinerzeit in Deutschland einzigartigen Position die Aufgabe, in Bayern Brücken zu bauen. Brücken des Dialoges und der Verständigung zwischen allen „Bajuwaren.“ Unabhängig ihrer ethnischen Herkunft und ihres Glaubens. Nicht selten lachte ich mit diesem sanften Kommunikator, der sich nicht davor scheute, mich persönlich bis in die Krisenregionen dieser Welt zu begleiten. Ich zolle in erster Linie dem Menschen und nicht dem Politiker Martin Neumeyer meinen Respekt. Und auch mit einer gewissen Traurigkeit habe ich zur Kenntnis genommen, dass der Landtagsabgeordnete und ehemalige Gastwirt aus dem schönen Bayern dem Integrationsrat und dem Posten des Integrationsbeauftragten nicht mehr zur Verfügung steht.
An dieser Stelle noch einmal ein Dankeschön seitens des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland an einen wunderbaren Menschen.
 
Wer folgt ihm nun?
 
Am 3. März fand unter Leitung der Landtagsabgeordneten Kerstin Schreyer (https://www.facebook.com/integrationsbeauftragte) die erste Plenarsitzung des Bayerischen Integrationsrates statt. Die Diplom-Sozialpädagogin und systemische Therapeutin bringt bereits einschlägige Erfahrungen im Bereich der Migration und Integration mit. Als Leiterin einer Caritas–Tagesstätte sammelte die selbstbewusst auftretende Politikerin die nötige Expertise, um den auf sie zukommenden Herausforderungen auch gerecht zu werden. So verwundert es nicht, dass die erste Plenarsitzung auch mit dem Anspruch stattfand, gesellschaftlich prägende Akzente zu setzen. Nach der Vorstellung der einzelnen Vereine und Verbände in der großen Runde, setzte Schreyer an den Stellen an, die ihr Vorgänger wahrscheinlich ebenfalls als Brennpunkte angesehen hätte. In Anbetracht der immensen Flüchtlingswellen der letzten Jahre, mehr werden zu erwarten zu sein, wurden Schwerpunkte in Form von zwei Arbeitsgruppen definiert.
 
Arbeitsgruppe 1 – behandelt das Thema Frauenrechte und Parallelgesellschaften innerhalb der gesellschaftlichen Schichten in Deutschland. Dabei soll sich die Arbeitsgruppe auf Lösungsansätze konzentrieren, der z.B. Frauen den Zugang zum Spracherwerb und damit die Partizipation in der Gesellschaft ermöglicht.
Arbeitsgruppe 2 – im Zusammenhang stehend mit der ersten Arbeitsgruppe behandelt diese das Thema „Demokratie, Gesetze und Werte“. Hierbei stand im Fokus, allen Bürgern Bayerns die Grundwerte einer freien Gesellschaft näher zu bringen, ohne der eigenen Identität einen Verlust zuzufügen. Nach dem Motto – „Bayern hat viele Gesichter“. Eine Botschaft, die man auch beim Besuch der Facebook-Seite der frisch gebackenen Integrationsbeauftragten vermittelt bekommt.
 
Direkt Akzente zu setzen, untermalt mit dem Charme weiblicher Präsenz, ist in der heutigen Gesellschaft notwendig, um nach vorne zu kommen. Die Erwartungshaltung ist hoch. Im Besonderen, wie mir scheint, an die eigene Person. Aber genau diese Einstellung wird von Nöten sein, wenn es im kommenden Wahlkampf nicht nur um Beständigkeit geht, sondern auch um die Verteidigung eines Integrationsmodels in Bayern, welches, basierend auf klare Werte und Normen, mit das erfolgreichste in der Republik ist. Und, leider muss man das auch sagen, zu Unrecht kritisiert wird.
Als Kind von Flüchtlingen mit nahöstlichen Wurzeln, welches mit zwei Jahren Deutschland erreichte, erlaube ich mir, aus der Erfahrung heraus, dies aus persönlichen Schlussfolgerungen herzuleiten.
 
Der Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland freut sich auf die kommende Zusammenarbeit mit der neuen Integrationsbeauftragten und wird seine Expertise zur vollen Verfügung stellen, um Kerstin Schreyer bei den zukünftigen Herausforderungen so gut wie möglich zur Seite zu stehen.
 
Simon Jacob,
Friedensbotschafter Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland,
München