„Schutz für ein gefährdetes Recht – Religionsfreiheit“

Es ist, nach der Entscheidung in Oslo und der Auftakt – Konferenz in New York, erst die zweite Veranstaltung dieser Art. Über 100 Parlamentarier aus 60 Ländern kamen zusammen, um über eines der wichtigsten Rechte der Menschen zu diskutieren und Lösungsansätze zu definieren.

„Religionsfreiheit“

Oder schlicht und einfach das Recht, seine Religion nicht nur frei ausleben zu können. Sondern diese auch zu verlassen, wenn einem danach ist. Einen anderen Glauben anzunehmen, wenn man möchte. Oder diesen sogar ganz sein zu lassen, sofern der Wunsch besteht, einfach frei atheistisch zu sein. Mit dem Thema Religionsfreiheit ist auch das Recht verbunden, sich frei sexuell zu orientieren und sich so zu kleiden wie es einem gefällt. Leider ist dies in vielen Ländern der Welt so nicht der Fall. Und leider stechen gerade sunnitisch – muslimisch geprägte Regionen besonders hervor, neben kommunistischen Regimen, welche das durch Artikel 18 der „Allgemeinen Menschenrechte“ verbriefte und garantiere Rechte der freien Religionsausübung unterdrücken oder zu mindesten nicht in vollem Umfang gewähren.

In diesem Sinne und stellvertretend für den Zentralrat Orientalischer Christen in Deutschland und Project Peacemaker e. V. wäre ich an dieser Stelle auf die wirklich tollen Reden der Referenten und hochkarätigen Protagonisten eingegangen. Angefangen von Bundeskanzlerin Angela Merkel, über Singhammer, Hirte und im Besonderen die vielen Experten der UN und ausländischen Gäste. Viele von weit hergereist.
Aus Südamerika, dem afrikanischen Raum, Norwegen, den USA, Pakistan, Afghanistan, Indonesien usw. Die Liste ist lang. Die Gespräche waren produktiv.
Doch glaube ich, dass die Presse zur Genüge über die Ergebnisse der mehrtätigen Veranstaltung berichtet hat. Und ich kann aus der Sichtweise des objektiven Berichterstatters dem nichts hinzufügen. Außer, dass es mehr solcher wichtigen Veranstaltungen benötigt, um die Zukunft der nächsten Generation zu sichern.
Doch geht es hierbei nicht nur um die Zukunft unserer Kinder und Kindes – Kinder. Es geht auch um das hier und jetzt. Um den Frieden auf der ganzen Welt. Um einen Frieden, der uns alle betrifft und nach dem sich die meisten Menschen sehnen. Egal an was sie nun glauben oder nicht glauben mögen. Und nun mag es Schicksal sein, Zufall oder sonst etwas. Doch gerade als ich den Erzählungen einer jesidischen Politikerin zuhörte, erreichte mich auf meinem Smartphone eine Nachricht. Ohne nachzudenken öffnete ich diese und ein Video wurde abgespielt. Ohne Vorwarnung.

Die ersten Bilder handelten von Spionage und Aktivitäten, die einem Hollywood – Streifen entliehen wurden. Doch was dann folgte, übertraf selbst das, was ich bereits kannte und löste in mir nur noch eine kalte Emotion aus, die voller Abscheu war. Es folgten grausamste Szenen, die an Barbarei und Unmenschlichkeit nicht zu übertreffen waren. Ich beobachtete, noch während die Podiumsdiskussion sich um das brutale Verhalten des IS im Umgang mit jesidischen Frauen drehte, wie genau diese Terrororganisation sunnitische Muslime, angebliche Spione, wie Schlachtvieh in einer Art Schlachthaus wortwörtlich schächtete. Aufgehängt an Fleischerhaken wurden sie ihrem Scharfrichter vorgeführt, der sie, gleich Lämmer, reihenweise in einen brutalen, qualvollen und erbarmungslosen Tod schickte.

Noch in Gedanken in all die Regionen des Nahen Ostens abschweifend, die ich die letzten Jahre besucht habe, dachte ich an all die Freunde, die jungen Menschen, die Politiker, die Geistlichen, die Gläubigen und Nichtgläubigen, die meinen Weg kreuzten. Einige von ihnen haben ihr Leben verloren.
Viele erlitten Leid.
Und andere sind voller Angst.
Alle gemeinsam haben eine Hoffnung.
Einen Wunsch.
Einen Traum.

Sie möchten frei sein von den Dämonen, die ihnen keinen Frieden lassen.
Frei von der Geisel religiöser Indoktrination.
Frei vom Eifer religiöser Fanatiker, die ihnen die Söhne, die Töchter, den Frieden rauben.
Und nicht nur sie möchten frei von der Barbarei und der Unmenschlichkeit sein, die Extremisten wie der IS an den Tag legen.
Auch wir, im Westen, wünschen uns endlich Frieden und Freiheit in unseren Gedanken.

Gewiss, Frieden und Freiheit werden wir nicht in kürzester Zeit erlangen. Doch ist es ein Weg, für den es sich lohnt zu kämpfen.

Und dieser beginnt damit, frei seinen Glauben praktizieren zu können.

Teilnehmer der Veranstaltung – ZOCD/Project Peacemaker e.V.

Professor Dr. Dr. Thomas Schirrmacher – Vorsitzender Beirat ZOCD
Volkmar Klein – MdB und Beirat ZOCD
Simon Jacob – Friedensbotschafter ZOCD, Vorstand Project Peacemaker e. V.

Simon Jacob, Berlin, 15. September 2016

Ein besonderer Dank gilt Michael Hesemann, der die tollen Bilder machte und uns zur Verfügung stellte.