Armenierin, Jezidin und das Gesicht einer neuen Generation

Land: Armenien
Ort: Gyumri
Datum: 16.11.2015

Zare holt unser Team am 16. November in der Stadt Gyumri ab. Es ist ihre Geburtsstadt und gemeinsam mit ihrem Onkel empfängt sie uns herzlich in Deutsch. Die 21 jährige Studentin der Politikwissenschaften hat für uns Mitteleuropäer einen ungewöhnlichen Hintergrund. Vielleicht möchte die hochgewachsene Studentin genau aus diesem Grund die Welt verändern. Hin, zu einem besseren Leben. Für Minderheiten, für Frauen im Besonderen und der Gesellschaft im Allgemeinen.
 
Zare ist armenische Jezidin, von denen es in Armenien ungefähr 20.000 gibt. Ihre Vorfahren flohen einst vor 100 Jahre aus dem Osmanischen Reich in die heutige Kaukasusrepublik. Als sie drei Jahre alt war verließ der Vater die Familie. Von da an wuchs sie wohlbehütet mit ihrer Mutter bei ihrer Tante und ihrem Onkel in Hayrenyaz, einem kleinen Dorf südlich der zweitgrößten Stadt Gyumri gelegen, auf.
Und hier, zu Zares Familie, hat man uns auch für die nächsten zwei Tage eingeladen. Unsere Gastgeber sind Mutter Tschinar – wenn sie nicht gerade den Haushalt macht ist sie als Laborantin tätig – Tante Emma, Zares zweite Mutter und Mathematiklehrerin, Stamad, Emmas Mann und Zares Onkel, Chasal, eine weitere Tante, Larissa, Medizinstudentin und Cousine, Elina, Larissas Schwester und die jüngste im Boot, Christina, Elinas kleine Tochter.
 
An der Anzahl der weiblichen Bewohner im Haus merkt man durchaus, dass die Frauen in der Familie doch stark in die Verantwortung genommen werden. Und dies drückt sich in einem immensen Selbstbewusstsein aus, was für jezidische Frauen aufgrund der klaren Hierarchie in einer alten Clanstruktur eigentlich ungewöhnlich ist. Es ist auch ungewöhnlich, dass die Frauen dieser im Irak und anderen Regionen von Terror und Verfolgung geplagten Religionsgemeinschaft in der Elterngeneration einen dermaßen hohen Bildungsstand haben. Das Selbstbewusstsein der Mutter und der Tante hat sich auf die beiden jüngere Frauen im Haus, Larissa und Zare, im positiven Sinne übertragen. In ganz Armenien gibt es nur sieben jezidische Studenten. Drei davon sind weiblich. Zare und Larissa sind zwei davon. Dass der geistige Führer der Jeziden im Land, auch Sheikh genannt, ein Problem damit hat und dies sogar öffentlich kund tut, stört die beiden herzlich wenig. Auch wenn sie dadurch eine immense Ausgrenzung erfahren. Sie sehen sich in der Pflicht für die Rechte aller Frauen zu kämpfen. Und Bildung ist ein Weg, um ihnen diese Rechte zu gewähren. Bildung bedeutet letztendlich auch Frieden, so die junge Politikstudentin, die für das Studium nach Jerewan gezogen ist. Hätten die Jeziden im Irak mehr Bildung genossen, wäre das Massaker an diesen bei weitem nicht so schlimm ausgefallen, ist die einhellige Meinung aller anwesenden Frauen.
 
In den nächsten Tagen begleitet Zare als Teammitglied des Projektes uns bis nach Jerewan. In den zwei Tagen bei ihrer Familie war Zare für uns eine hervorragende Reiseführerin, die uns in einem fast perfekten Deutsch die Sehenswürdigkeiten der Stadt näher brachte. Nicht nur mit allen Kirchen der Region vertraut, sondern auch mit der Natur des Landes, durften wir mit ihre viele schöne Orte besichtigen. Ein Höhepunkt des zweitägigen Aufenthaltes war das Backen des traditionellen Fladenbrotes, auch Lavash genannt, in einer Art Ofen, eingelassen im Erdreich. Alle packten an, auch das Peacemaker – Team. Mir und Melki wurde die Ehre zuteil selber ein paar Fladen backen zu dürfen. Gülbahar und Elena wurden eingeladen den Teig zu formen. Fladenbrotbacken ist wirklich eine harte Arbeit. Macht aber auch sehr viel Spaß.
 
Die nächsten Tage werden wir gemeinsam mit Zare in Jerewan verbringen. Weitere Berichte mit und über eine aufstrebende Studentin der Politikwissenschaften, die die Welt verändern möchte, werden folgen.
 
Simon Jacob, 16.11.2015, Gyumri
 

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