Bayern/Deutschland 2013

Land: Deutschland
Ort: München
Datum: 18.02.2016

2013 berichtete der BR3 (hier geht es zur Reportage) – Journalist Stefan Meining über die Situation bedrohter Christen im Ausland. Er besuchte mit mir gemeinsam Beirut um Näheres über die Situation derer zu erfahren, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt werden. Hierbei kam immer wieder zu Tage, dass es in vielerlei Hinsicht die radikale Auslegung des sunnitischen Islams ist, welche gerade Christen, Jeziden, Schiiten und liberale Muslime zur Flucht aus Syrien bewegt. Der erbarmungslose Krieg des Regimes gegen die eigene Bevölkerung ist die andere Front, die die Flüchtenden in die Zange nimmt und den Exodus nur noch verstärkt.
In Deutschland angekommen mussten wir feststellen, dass auch hier die Verfolgung und Diskriminierung nicht aufhörte. In einem besonders schweren Fall wurde eine christliche Familie aus dem Irak dazu bewegt, Deutschland wieder Richtung ursprüngliche Heimat zu verlassen. Sunnitische Muslime hatten die Familie bedroht. Bei den Gesprächen mit dieser wurde uns mitgeteilt, dass man sich in Deutschland nicht mehr sicher fühle. Einer der Aggressoren habe sogar gedroht, das Blut des Vaters trinken zu wollen. Es gab noch weitere Vorfälle. Politiker der CSU reagierten, so z.B. Johannes Singhammer (CSU – MdB, Vorsitzender Deutscher Bundestag) und Martin Neumeyer (CSU – MDL, Integrationsbeauftragter Bayern) und forderten eine temporär getrennte Unterbringung von Flüchtlingen. Es regnete harsche Kritik seitens der Presse, aber auch der Politik. Die Zustände wurden als Einzelfälle abgetan.
Selbst als 2014 eine weitere Reportage (Hier geht es zur Reportage) erschien, auch wieder auf Bestreben des BR3 – Journalisten Stefan Meining und der Zeitung „die Zeit“, wurden die Vorfälle als einzelne Vorkommnisse abgetan. Die Presse übte wiederholt harsche Kritik an der Berichterstattung.

Das einzige Bundesland in dem inzwischen Flüchtlinge nach der Religionszugehörigkeit untergebracht werden ist das linksgeführte Thüringen. Das hatte Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) nach Übergriffen in Suhl so entschieden. Migrationsminister Lauinger (Grüne) dazu: „Die getrennte Unterbringung ist in der derzeitigen Krisensituation nur eingeschränkt möglich, wir wollen es aber ausbauen, sobald der Zuzug wieder geordnet abläuft.
(Quelle – Spiegel: September 2015)

Das war September 2015. Die Kritik der Presse hielt sich diesmal sehr in Grenzen.

Konflikte werden an der Grenze zur EU nicht zurückgelassen

Jahrelang besuchte ich in meiner Funktion als Vorsitzender des Zentralrates Orientalischer Christen, Medienteam – Koordinator und freier Journalist die Krisenländer des Nahen Ostens. Syrien, Irak, Libanon, die Türkei ….
Und seit Jahren weisen wir daraufhin, dass Konflikte, die in den Krisenregionen zu massiven Spannungen führen nach Europe, nach Deutschland mitgebracht werden. Eine Sensibilisierung der Flüchtlingspolitik und der Mitarbeiter im sozialen Dienst wäre hier zwingend notwendig gewesen. Doch wurden die Gegebenheiten, die ich persönlich vor Ort in den Camps in Augenschein nehmen konnte, immer wieder nicht nur ignoriert, sondern sogar teilweise in Frage gestellt. In sunnitischen Flüchtlingsbehausungen in der Türkei, im Libanon oder auch im Irak wird man kaum Jesiden, Christen oder Schiiten finden. Umgekehrt werden dort wo Schiiten untergebracht sind, sich kaum Sunniten aufhalten. Jesiden werden im Irak bereits in eigenen Zeltstädten untergebracht. Christen finden meistens bei Familien oder in Kirchen Zuflucht, die an die Belastungsgrenze stoßen. Es war und es wäre immer noch äußerst naiv zu denken, dass all diese Menschen, nach all dem was sie erlebt haben, das Erlebte, Gesehene und immer noch Nachwirkende einfach so vergessen. Sie können es nicht vergessen. Doch noch schlimmer ist es, wenn sie in ein vermeintlich sicheres Land kommen und dann wieder vor denen stehen, die sie bereits in der Heimat gedemütigt und vertrieben haben. So ergeht es heute vermehrt Christen, Jesiden, Frauen, Kindern und wahrscheinlich auch vielen anderen Gruppen, die zu schwach sind sich zu wehren, in deutschen Flüchtlingsheimen.

Diskriminierung in deutschen Flüchtlingsheimen

Vorweg ist zu sagen, dass Diskriminierung bis hin zu verbaler und körperlicher Gewalt nicht nur Christen betrifft. Im gleichen Umfang sind Jesiden, wahrscheinlich auch Schiiten, Frauen, Kinder, Homosexuelle und liberal bis säkular denkende Muslime betroffen. Von Atheisten und Konvertiten ganz zu schweigen.

Der Arbeitskreis Flüchtlinge des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland e.V., der sich intensiv um die Betreuung der Neuankömmlinge in Deutschland kümmert und um eine schnelle Integration bemüht ist, hat eine Art Notrufnummer für solche Fälle eingerichtet. Die Leiterin des Arbeitskreises für Flüchtlinge in Hessen, Elisabeth Savci und Koordinationsleitung Gabriella Gourie, die beide selber orientalischen Kirchen angehören und ihre Wurzeln in der Südosttürkei und in Syrien haben, erfassen und dokumentierten gemeinsam mit 30 weiteren ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern die eingegangenen Fälle nicht nur akribisch, sondern mussten auch vor Ort immer wieder eingreifen.

Jugendliche wurden nachts nach Übergriffen aus den Heimen geholt, weil deren Schlafplätze von muslimischen Flüchtlingen vereinnahmt wurden und man sie aus ihren Zimmern aussperrte. Eine Weigerung als Christen sich an islamischen Ritualen zu beteiligen und nach dem muslimischen Ritus zu beten, kann schon zu den genannten Vorfällen führen.

„Ähnliche Übergriffe können sich ohne Vorwarnung jederzeit wiederholen“, so Savci.

Frauen und Mädchen sind aufgrund ihres Glaubens und ihrer Art sich zu kleiden Beleidigungen, Beschimpfungen und teilweise auch Angriffen ausgesetzt, wie Gabriella Gourie uns schilderte. Erschwerend kommt hinzu, dass das Sicherheitspersonal, in vielen Fällen muslimisch, scheinbar ebenfalls willkürlich agiert und muslimische Flüchtlinge bevorzugt behandelt und aufklärt. Auch koptische Gemeinden melden ähnliche Vorfälle. Des Weiteren wird von Situationen berichtet, in denen muslimische Dolmetscher Aussagen, die von Christen gegen die Täter geäußert werden, verfälscht oder abgemildert übersetzt haben. Was die Opfer noch mehr unter Druck setzt, weil die Täter nun erst recht, an den Behörden vorbei, weiterhin frei agieren können.

Ragini Wahl, aus dem Raum Nürtingen und seit fast drei Jahrzehnten in vielen Funktionen als ehrenamtliche Flüchtlingshelferin aktiv, kennt ähnliche Vorfälle. Im Interview gibt sie ebenfalls zu bedenken, dass besonders Christen, Jesiden, Frauen und Kinder von anderen Flüchtlingen, in fast allen Fällen sunnitischen Muslimen, gedemütigt und bedroht werden. Und auch sie betont, dass es bei Weitem keine Einzelfälle mehr sind. Die Stuttgarter Nachrichten führten im Januar 2016 ein interessantes Interview mit der Ehrenamtlerin dazu (Hier geht es zum Interview).

Ähnliche Erfahrungen hat die koptische Gemeinde in Deutschland gemacht, die sich im Besonderen um die Glaubensbrüder aus Ägypten kümmert, die ebenfalls oft aus Angst vor dem sich ausbreitenden Extremismus, besonders auf der Sinai – Halbinsel, nach Europa flüchten.

Das Angstsystem aus der Heimat ist wahrscheinlich einer der Gründe, weshalb sich viele Opfer nicht zu Wort melden und die Dunkelziffer weitaus höher sein dürfte. Aus eigener Erfahrung, ich habe selber mehrere Fälle mitbekommen, weiß ich, dass die Opfer sehr viel Angst haben und dem hiesigen Justizsystem kein Vertrauen entgegenbringen.

Allgemein in diesem Zusammenhang wird auch immer wieder von den Behörden Druck ausgeübt, möglichst nicht über die Vorkommnisse zu sprechen. Gerade das sollte in einer freien Demokratie nicht der Fall sein und sendet die falschen Signale an die aus, die ihre Taten dadurch auch noch legitimiert sehen. Es ist schon schlimm genug, dass Sicherheitspersonal, welches eigentlich in Deutschland aufgewachsen ist und als integriert gilt, zwischen Muslimen und Nichtmuslimen trennt. Hier kann man zu Recht sagen, dass bei der Integration etwas schiefgelaufen ist und weiterhin schief läuft, wenn wir die Augen immer noch vor der Realität verschließen.
Zu den Hintergründen der Konflikte

Es sind im Wesentlichen drei Gründe zu benennen, die zu den Konflikten führen.

1. Die Degradierung nichtmuslimischer Flüchtlinge zu Menschen zweiter Klasse. Gespeist durch eine orthodoxe und rückwärtsgewandte Auslegung des Islams, gefördert durch Partnerstaaten des Westens, so z.B. Saudi Arabien. Salafistische Strömungen sind Teil dieser Bewegung, die im ultraorthodoxen Wahabismus ihren Ursprung haben und die Scharia zum Rechtskorpus erklären. Das islamische Recht, welches nach ultraorthodoxer Auslegung über den von Menschenhand geschaffenen Gesetzen steht, besonders das Strafrecht, stehen nicht nur im Konflikt zum deutschen Grundgesetzt, sondern auch der allgemein gültigen UN – Charta für Menschenrechte von 1948.

2. Das in der Heimat angesiedelte Patriarchat mit seinen feudalen Clanstrukturen, welches durch Angst, Druck und einem autoritären Führungsstil die Gesellschaft dominiert. Gewalt ist hier oft Mittel zum Zweck. Der Clankodex macht dies in vielen Fällen zwingend erforderlich. Konflikte werden, auch konfessionsübergreifend, nach ähnlichem Muster auch in Europa ausgetragen bzw. geschlichtet. Schariagerichte gehören z.B. zur Schlichtung solcher Konflikte dazu. Leider wird dadurch das Rechtssystem, so z.B. in Deutschland, ausgehöhlt.

Patriarchalische Clanstrukturen sind im asiatischen und afrikanischen Raum eher die Regel als die Ausnahme und beschneiden die allgemein gültigen Menschenrechte auch in nichtmuslimischen Staaten. So leiden z.B. besonders in Indien Frauen unter dem Patriarchat. Verstärkt durch das vorhandene Kastensystem.

3. Gespeist durch eine orthodoxe Auslegung des Islams, in Verbindung mit dem Rechtskorpus den die Scharia nun einmal darstellt, machen sich patriarchalische Strukturen die Religion zu Nutze, um im Besonderen die Stellung der Frau auf drei wesentliche Eigenschaften zu reduzieren.

– Die Mutter
– Die Ehefrau
– Die Schwester

Darüber hinaus wird das Verhalten des weiblichen Teils der Gesellschaft als schändlich wahrgenommen. Ehre, Stolz und Schande werden über das Sexualverhalten der Frau definiert. Durch unsittliches Verhalten kann womöglich der Name der Familie, des Clans, beschmutzt werden.
Ausgehend von den genannten gesellschaftlichen Strukturen wird die Frau in einer patriarchalisch geprägten Gesellschaft zum Gegenstand erklärt. Verhält sie sich außerhalb der genannten Norm, ist sie einem immensen Druck ausgesetzt, was zu sexuellen Übergriffen und körperlicher Gewalt führen kann.
Die Übergriffe in Köln 2015 – 2016 resultieren aus so einem Verhalten.
Hinzu kommt eine Auffassung, dem Clandenken entlehnt, dass ein Mann, in diesem Fall der „Deutsche Mann“, der seine Frau (Frau wird hier als Gegenstand betrachtet) nicht schützen kann, das Recht verwirkt hat, über diese bestimmen zu dürfen.

Lösungen

1. Das Gewaltpotential in bestimmten Strömungen des Islams, propagiert durch „Hassprediger“, auch in Deutschland, muss in Anlehnung an die gültigen Menschenrechte und dem Gleichheitsprinzip, verankert in Artikel 1 des Grundgesetztes, endlich von der Theologie in der islamischen Welt angegangen werden.
Die Sichtweise; „Das hat nichts mit dem Islam zu tun“, ist grundlegend falsch und konterkartiert die Bestrebungen 100.000er integrationswilliger Flüchtlinge sich in die Mehrheitsgesellschaft einzubringen.

2. Die Scharia als Rechtskorpus darf gerade am Beginn der Integration, nämlich in den Flüchtlingsheimen, ganz klar nicht in Erscheinung treten. In keiner Weise.
Die Vermittlung dieser Erwartung an alle Flüchtlinge muss gewährleistet werden. In Verbindung mit dem Grundgesetz und dem Gleichheitsprinzip zwischen allen Menschen, unabhängig ihrer Herkunft und Religion. Gerade in einer pluralistischen und demokratischen Gesellschaft.

3. Die Frau ist in einer Demokratie gleichberechtigter Teil der Gesellschaft. Dieser Grundsatz muss jedem Flüchtling ab der Ankunft klar und deutlich vermittelt werden.

4. Der Verstoß gegen die Grundregeln unserer Gesellschaft, Pluralismus und Demokratie, das anwenden islamischen Rechts sowie die Diskriminierung anderer aufgrund ihres Glaubens oder sexuellen Ausrichtung muss konsequent mit den Mitteln der Rechtstaates geahndet werden. Das Verwirken des Asylrechts, auch wenn es sich um einen Flüchtling aus einer Bürgerkriegsregion handelt, sollte man definitiv als Konsequenz in Betracht ziehen.

5. Eine temporär getrennte Unterbringung von Christen und Jesiden muss ins Auge gefasst werden. Sind sie in ihren Heimatländern schon zu Genüge bedroht, da sollten sie nicht auch noch in Deutschland in Gefahr geraten.

6. Behörden müssen konsequenter den Fällen nachgehen. Ein Wegsehen aus Angst vor den Medien hilft nur den Tätern und setzt die Opfer weiteren Demütigungen aus. Das Beispiel eigener Unterkünfte für Homosexuelle und Transsexuelle zeigt, dass dies möglich ist. Christen und Jesiden sollten nicht zum Bestandteil gesellschaftlicher Experimente werden.

Eine Gefahr für die Demokratie

Schaffen wir es nicht, den Neuankömmlingen bereits von Anfang an konsequent die Werte einer Demokratie zu vermitteln, zu denen die Gleichheit unter den Geschlechtern und den Religionen gehört, laufen wir Gefahr in 10 bis 15 Jahren eine Parallelgesellschaft zu haben, die genügend Sprengkraft besitzt, die Mitte der Gesellschaft auseinanderzureißen.

Ehrliches und vorausschauendes Handeln sind gerade jetzt gefragt.

Simon Jacob, München, 19.02.2016

 

Bilder: Christliche Flüchtlinge aus Syrien/Idlib. Geflohen vor der Al Nusra – Front. Einer der Al Qaida nahe stehenden Terrorgruppen in Syrien. Die Familie hat in Antakya (Türkei, Provinz Hatay) Zuflucht gefunden. Der Vater ist wahrscheinlich ums Leben gekommen und wird vermisst.

Spendenaufruf

Das Projekt Globalo Youth Peacemaker-Tour, welches sich über maximal sechs Monate erstreckt, hat einen Finanzierungsbedarf in Höhe von ca. 30.000,- €. Neben dieser geringen Summe ist es unsere Ausbildung in Europa, die Entschlossenheit und der Glaube an die Vernunft im Menschen, die uns dazu bewegt, so etwas zu tun. Für dieses Projekt habe ich meinen hochbezahlten Managerposten in einem Großkonzern aufgegeben. Ehrenamtliche Helfer investieren ihre Zeit, um das Projekt realisieren zu können.

Helfen Sie uns jetzt mit einer kleinen Spende, um das Budget in Höhe von 30.000,- €, welches im Verhältnis zur Größe des Projektes wirklich minimal ist, realisieren zu können.

Eine Spendenquittung kann ausgestellt werden.

Spendendaten

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Simon Jacob – Projekt: Peacemaker 2015
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