Berlin – Ein Anschlag auf unsere Werte

Ein LKW rast in einen Weihnachtsmarkt, so die ersten breaking news. Unfall? Anschlag? Flüchtling? IS? Oder vielleicht doch ein anderer Hintergrund? Die Medien überschlagen sich in den nächsten Stunden mit Meldungen. Und mit den Medien die Kommentare zu den Meldungen auf FB und Co. Kommentare, die alles andere sind als sachlich differenziert, wie leider so manche Berichterstattung auch. Die Gerüchteküche brodelt und die Gier mancher ja als erste eine Meldung herauszubringen, ist enorm. Überspitzt formuliert: der Reporter sprach mit dem Opfer während es in Luft flog. Das und die  Beleidigungen, Hetze in den sozialen Netzwerken … lassen mich manchmal zweifeln, ob der Mensch tatsächlich ein vernunftbegabtes Wesen ist. Differenziertes Betrachten des Ganzen – oft gänzlich abhandengekommen. Wir wissen noch nichts und doch treiben wir den Keil, der bereits in unserer Gesellschaft steckt, tiefer. Sehr zur Freude der Extremisten.

Unabhängig von den Hintergründen des Anschlags in Berlin, die zunächst einmal ermittelt werden müssen, war und ist auf Grund der geopolitischen Situation mit Anschlägen aus dem extremistischen Spektrum zu rechnen, sowohl von islamistischen als auch rechtsradikalen Gruppierungen verschiedener Nationalitäten als auch von Einzeltätern. Die Politik täte gut daran, endlich auf diejenigen zu hören und sie zu Rate zu ziehen, die seit Jahren genau vor der Situation warnen, wie wir sie jetzt in Deutschland haben. Es sind diejenigen, deren Vorfahren und die teils selber den Nahen Osten verlassen mussten auf Grund einer Ideologie, die sie an den Rand der Ausrottung bringt. Aber auch die warnenden Worte derer wurden überhört, die bis dato die Stellung gegen diese Ideologie halten, die langsam aber stetig über den westlichen Kulturkreis hereinbricht und ihn überrollt, wenn wir nicht endlich aufwachen. Die Menschen im Nahen Osten, die gegen den IS kämpfen, egal ob Christen, Jesiden, Kurden oder Vertreter der arabischen Stämme,  verteidigen nicht nur sich selber sondern auch unsere westlichen Werte. Sie sind eine extrem wichtige Bastion. Das sollten wir uns vor Augen führen.

Uns sollte der Anschlag aber auch Mahnung sein, einen Blick auf die eigene Vergangenheit zu werfen. Die wenigsten von denen, die den Krieg in Deutschland miterlebt haben, leben noch und auch die Nachkriegsgeneration stirbt stetig weg. Die heutige Generation ist in Frieden und Sicherheit aufgewachsen. Doch genau aus diesem Grund, um den Frieden zu wahren, müssen wir die Vergangenheit betrachten und dürfen die Parallelen, die es gibt, nicht ignorieren. Damals war es die Hetze gegen die Juden, Sinti, Roma und andere Minderheiten. Auch heute wird wieder gehetzt. Gegen einen Glauben, der, und das lässt sich nun einmal nicht abstreiten, je nach Auslegung ein immenses Gewaltpotential birgt, welches auch von verblendeten Menschen ausgelebt wird. Dabei wird jedoch zu leicht außer Acht gelassen, dass die meisten Muslime trotz allem friedliebend sind. Dass auch sie die Weihnachtsmärkte besuchen und ebenso entsetzt sind über den Anschlag wie die meisten anderen.

Dennoch: den Anschlägen der vergangenen Monate, Nizza, Paris, Brüssel … , egal ob sie von Flüchtlingen ausgeführt wurden oder nicht, ob sie vom IS für sich reklamiert wurden oder nicht, liegt eines zu Grunde: der Islam. Und das muss auch die Politik endlich akzeptieren und sich damit auseinander setzen. Schonungslos, offen und ehrlich. Man muss das ansprechen dürfen, ohne sofort an den rechten Rand gerückt zu werden. Und auch die muslimischen Verbände sind gefordert, sich endlich mit dem Gewaltpotential auseinanderzusetzen. Sich klar und deutlich zu distanzieren und nicht nur ihr Beileid zu bekunden. Sie müssen aufhören, sich ständig in eine Opferrolle zu begeben und sich den Tatsachen stellen. Sie müssen aufhören, ständig Forderungen für sich zu stellen aber gleichzeitig die Traditionen der Länder nicht zu respektieren, in denen sie selber leben möchten. Auf diese Weise ist kein Dialog auf Augenhöhe möglich. Im Gegenteil. Dadurch werden nur Angst und Hass geschürt und das dient der Stärkung der extremen Ränder und damit dem Rassismus, Antisemitismus und der Menschenfeindlichkeit.

Wer möchte schon gerne in so einer Welt leben?

Daniela Hofmann, München, 20.12.2016