Besuch beim Metropoliten in Georgien, Tiflis

Land: Georgien
Ort: Tiflis
Datum: 11.11.2015

Seine Eminenz, Metropolit Ananias Sapazidze, zuständig für die Diözese Manglisi, gewährte uns in den wunderschönen Räumen der technischen Universität eine Audienz. Und die kann man definitiv als ungewöhnlich bezeichnen. Ungewöhnlich deswegen, weil wir keine offiziellen Abgesandten einer Kirche sind. Vorausgegangen war ein Gespräch mit dem zuständigen Ordinariat in Tiflis.
Bei einem Treffen mit Vater Georgi, dem zuständigen Verantwortlichen mit einer immens autoritären Ausstrahlung, sollte ich zunächst mein Anliegen erläutern. Der strenge Blick richtete sich als erstes auf meine Bekleidung, die mit Sportschuhen, Jeans und Lederjacke doch eher befremdlich an einem Ort wirkte, wo Priester ausgebildet werden. Und trotzdem brach das mit jedem Wort, welches das Projekt „Peacemaker“näher beschrieb. Der Umstand, dass hier jemand mit Erfahrungen aus dem Kriegsgebiet im Nahen Osten vor ihm stand, schien mir die Glaubwürdigkeit zu verleihen die notwendig war, um mein Anliegen mit Respekt und Ernsthaftigkeit anzugehen. Am Ende des Gespräches wurde uns versichert, dass uns eine Audienz beim Metropoliten gewährt wird. Noch am gleichen Abend duften wir uns auf einen Termin am nächsten Tag einstellen.
Bei seiner Eminenz Ananias Sapazidze angekommen, durchlief ich anfangs einen ähnlichen Prozess wie am Tag zuvor. Eine Übersetzerin erklärte akribisch, wir unterhielten uns in Englisch, was das Ziel meines Projektes ist. Als ich begann über die Situation im Nahen Osten zu berichten, stoppte mich der hohe Geistliche. Er blickte mich an und ließ erfragen, ob ich wirklich vor Ort gewesen war. Im nächsten Atemzug sprach er sein Beileid für die aktuelle Situation aus und bat mich seine Worte allen zukommen zu lassen, die ich auf meinem Wege treffen möge. Als ich nach ca. 30 Minuten am Ende meiner Ausführungen war, mit einigen Abschweifungen Richtung Naher Osten, sahen mich die Augen des Erzbischofs für eine Weile an. Die Worte die dann kamen, verstand ich auch ohne Übersetzung. Er segnete uns und das Projekt und ließ uns mitteilen, dass „Project Peacemaker“ von immenser Bedeutung ist. Deswegen von Wichtigkeit, weil wir gerade jetzt den Dialog, bei all den Kriegen und politischen Konflikten, erst recht bräuchten.
Im darauf folgenden Interview erläuterte er mir auch anhand der christlichen Geschichte Georgiens, weshalb dieses wunderschöne Land ein Bindeglied zwischen dem orientalischen Christentum und den darauf folgenden Strömungen darstellt. Es war der Heilige Apostel Andreas, der einst in Georgien predigte. Gefolgt von der heiligen Nino aus Zentralanatolien im 4. Jahrhundert nach Christus und den 13 heiligen Assyrischen Vätern aus der nordsyrischen Region, 6. Jahrhundert nach Christus, die hier den Glauben verbreiteten. Das Land wehrte sich gegen die Invasion der Araber, wurde mehrfach von den Mongolen geplündert und ausgeraubt. Behielt aber trotzdem über die Jahrhunderte hinweg seine Identität, verankert in einem starken Glauben. Selbst dann nicht, als der persische Eroberer am 9. März 1226 in Tiflis einfiel und die Sioni Kirche schändete. Er ließ die Heiligtümer aus der Kirche schaffen und platzierte diese auf einer Stadtbrücke. Jeder, der leben wollte, sollte einfach über die Heiligtümer des christlichen Glaubens laufen, sie mit Füßen treten. Viele taten es nicht. An diesem Tag starben 100.000 Georgier. Der Fluss unter der Brücke, der Mtkwari, färbte sich rot vom Blut der Toten. Beim Zuhören erschauderte ich ein bisschen. Bilder einer Terrororganisation, die ebenfalls auf brutalste Art und Weise einen Massenmord im Irak und in Syrien begann und immer noch fortführt, spiegelten sich in meinen Gedanken wider. Aber die Tatsache, dass die Georgier trotz der massiven Verluste ihren Glauben nicht verloren haben, lässt mich darauf hoffen, dass das Christentum auch im Nahen Osten überleben wird. Und trotz dessen, dass dem Land so viel Leid widerfahren ist, oder gerade deswegen, blieb es in seiner Charakteristik offen und tolerant gegenüber anderen Minderheiten, Religionen und Kulturen.
Georgien nennen Muslime, Christen, Juden und Atheisten ihre Heimat. Hier leben Assyrer, Kurden, Turkmenen, Jeziden und viele andere Volksgruppen zusammen. Es herrscht ein starker Nationalstolz und dieser wird auch, gerade wegen der Vergangenheit, an den Tag gelegt. Doch die tiefe Verbundenheit zum Christentun schafft hierbei eine Balance und gibt jedem Freiraum, der die Kultur und die Regeln des Landes respektiert.
Metropolit Ananias Sapazidze ließ es sich am Ende nicht nehmen, uns offiziell in der Hauskapelle den Segen zu erteilen. Er wünschte mir auf meiner weiteren Reise alles Gute und besonders Gottes Schutz.

Die danach noch erhaltene Genehmigung die Zeremonie zur Feier der 100.000 Märtyrer in der Dreifaltigkeitskirche drehen zu dürfen, während der Anwesenheit des Patriarchen, bestärkte mich im Glauben, dass ich auf dem richtigen Weg bin.

Simon Jacob, 11.11.2015, Tiflis

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