English version below

 

Der 123. Patriarch der Syrisch – Orthodoxen Kirche, eine der ältesten Kirchen der Welt, erblickte in Qamishli (Nordsyrien) mit dem bürgerlichen Namen Said Karim das Licht der Welt. Seine Eltern, Issa und Chanema Karim, flohen während des Genozids an den Christen zwischen 1915 und 1918 aus dem Osmanischen Reich in die syrische Region, um ein neues Leben zu beginnen. Der Werdegang des jungen Said kann als außergewöhnlich bezeichnet werden. Als Schüler des im April 2013 entführten Metropoliten von Aleppo – Gregorios Youhanne Ibrahim – begann sein theologisches Studium, welches über den syrisch – orthodoxen Aspekt hinaus sich auch mit den zahlreichen Determinationen der christlichen Glaubenslehre und darüber hinaus beschäftigte. Der seinerzeit junge Mönch studierte von 1984 – 1988 am „Koptischen Theologischen Seminar“ in Kairo, wo er auch seinen Bachelor in Theologie erlangte. 1989 trat er ins St.- Patrick Kollegium im irischen Maynooth ein. Dort erhielt er 1994 seine Graduierung zum „Doctor of Divinity“. Gefolgt von einem Priesteramt im Vereinigten Königreich. Am 28. Januar 1986 wurde Karim zum Metropoliten und Patriarchalvikar der Erzdiözese der Syrisch – Orthodoxen Kirche, zuständig für den Osten der Vereinigten Staaten, ernannt. Die Inthronisierung zum Patriarchen der Syrisch – Orthodoxen Kirche erfolgte am 29. Mai 2014 in Damaskus. Im Juni des letzten Jahres – 2016 – entging er nur knapp einem mörderischen Anschlag im syrischen Qamishli, seinem Geburtsort, bei dem mehrere unschuldige Zivilisten ihr Leben lassen mussten.

Persönlich lernte ich den Patriarchen in mehreren Gespräch und Interviews, die ich auch für das deutsche Fernsehen führte, kennen. Anfangs ihm gegenüber skeptisch – ich war und bin immer noch der festen Überzeugung, dass sich Geistliche nicht in die politischen Angelegenheiten einmischen sollten – legten sich meine Bedenken und ich gelang zu der Kenntnis, dass ich gerade bei diesem Geistlichen eine Ausnahme machen sollte. Ein Schlüsselerlebnis welches dazu führte, war ein Interview mit ihm in Nordsyrien, welches bereits ein paar Jahre her ist und bei dem er mich augenzwinkernd für meine militärisch anmutende Kleidung beim Interview kritisierte. Ich entgegnete ihm, dass ich auf dem Weg in ein Kriegsgebiet mich kaum mit Anzug und Krawatte auch noch als potentielles Ziel zur Schau stellen würde.
Seine Antwort erstaunte mich.
Mit einem nicht ernst gemeinten Blick entgegnete mit der Patriarch, dass mich IS schnappen und mir den Kopf von den Schultern trennen wird. Zunächst schockiert blickte ich den Geistlichen an, der dann in meinem Gesicht las und meinen entgeisterten Blick mit einem sanften Lächeln quittierte.
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„Ich mache einen Scherz, mein Sohn“, sagte er zu mir. Ich solle mir keine Gedanken machen. Heil würde ich wieder zurückkommen. Er wollte nur die Situation für mich auflockern, wie er mir erklärte. Einfach weil es die Situation notwendig mache und ich, der westliche Journalist, zu steif sei. Mit dieser Geste erfüllte er, auch wenn der Witz wohl einem sehr schwarzen Humor entsprang, mein Herz mit Freude. Anschließend ließ es sich das geistliche Oberhaupt nicht nehmen, mich mit seinem Segen zu entlassen.
„Mach Dir keine Sorgen, Du kommst wieder…“

Diese motivierenden Worte prägten sich in mein Gedächtnis und so brach ich Richtung Süden auf.

Jahre später beobachte ich immer wieder das Schaffen und Wirken dieses Menschen, der von nun an für mich mehr als ein Politiker wirkte. Jemand, der so einfühlsam und konkret auf einen jungen, sehr skeptischen Menschen einwirken kann, ist mehr als nur ein einfacher Geistlicher. Er ist zugleich ein Politiker, ein Diplomat und was noch wichtiger ist, ein „Brückenbauer“.

Und Brücken baut dieser Diener Gottes. Allein der christliche Grundsatz der Nächstenliebe lässt nichts anderes zu. Sieht man sich nun den Werdegang des Politikers und Diplomaten an, stellt man fest, dass sein Leben auch durch bittere Erfahrungen geprägt ist. Doch so furchtbar diese auch waren, er ließ sich nie die Freude am Leben nehmen und publizierte sogar Kinderbücher. Und selbst der Anschlag auf sein Leben hielt ihn nicht davon ab, den Dialog zu suchen.

Einen Dialog, der nun von einigen wenigen Personen, die es nicht besser wissen und dem Weg des Konfliktes folgen, kritisiert wird. Bei einem Treffen des Patriarchen mit einem schiitischen Geistlichen hat dieser seinem Nächsten den gebührenden Respekt erwiesen. Der Patriarch, immerhin der Lenker einer der ältesten Kirchen der Welt, begab sich in einen offenen und ehrlichen „Dialog“ mit einem Vertreter und Lenker des schiitischen Islams. Bei diesem Treffen nahm er den heiligen Koran in die Hand und hielt sich diesen an die Stirn. In diesem Zusammenhang sollte man wissen, dass dies im schiitischen Raum, beispielsweise im Iran – der Iran bildet das Zentrum des Schiitentums – auch umgekehrt nichts Ungewöhnliches ist. Aus eigenen Erfahrungen und durch zahlreiche Interviews mit Geistlichen im Land des Schiitentums weiß ich, dass sowohl die Bibel als auch die Tora nicht nur respektvoll berührt und an besonderen Orten aufbewahrt werden. Beide Schriften, und darüber hinaus auch die Schriften anderer Religionen, werden immer wieder im philosophischen Konsens zu Rate gezogen.

Geprägt durch dieses Wissen hat das Oberhaupt meiner Geburtskirche genau das Richtige getan. Er hat denen Respekt entgegengebracht, die ihn respektieren. Übrigens ohne sich von seinem Kreuz zu trennen, wie es kürzlich zwei Gesandte der westlichen Kirchen im Nahen Osten getan haben.

Patriarch Moran Mor Ignatius Ephräm II. Karim sucht das Gespräch auf Augenhöhe mit denen, die bereit sind, sich auch auf dieselbe Stufe zu begeben. Was kann man von einem Geistlichen, einem Politiker, einem Diplomaten … einem „Brückenbauer“ auch mehr verlangen!

Dem Tode entkommen, steht er für Frieden, Dialog und Toleranz ein.
Im Angesicht der Dramaturgie dieses Krieges kommt er der christlichsten aller Tugenden nach.

Der Nächstenliebe !

Ich kann nur noch stolz auf so einen Menschen sein.
Stolz darauf, dass es ihn gibt und mit der Hoffnung verbunden, dass sein Schaffen noch lange, sehr lange währt.

Nicht im Sinne einer einzigen Kirche oder Religion.
Sondern im Sinne eines weltweiten Friedens und im Namen der Menschlichkeit.

Danke Patriarch Moran Mor Ignatius Ephräm II. Karim

Simon Jacob, München den 17. Januar 2017

Country: Germany
City: Munich
Material: Pictures
Date: 17th January 2017

Bridgebuilder – Patriarch Moran Mor Ignatius Ephram II Karim

The 123rd Patriarch of the Syriac Orthodox Church, one of the oldest churches of the world was born as Said Karim in Qamishli (Northern Syria). Between 1915 and 1918 his parents Issa and Chanema Karim fled during the Genocide against Christians from the Ottoman Empire to the Syrian region in order to start a new life there. The career of the young Said can be described as extraordinary. As a pupil of the Metropolite of Aleppo, Gregorios Youhanne Ibrahim who was kidnapped in April 2013, his theological studies began which did not only deal with the Syriac Orthodox aspect, but also with several determinations of the Christian theology and beyond. As a young monk he studied at the Coptic Theological Seminar in Cairo from 1984 to 1988 where he also earned his Bachelor of Theology. In 1989 he joined the St. Patrick’s College in Maynooth, Ireland. In 1994 he earned his degree as a “Doctor of Divinity” there, followed by a priesthood in the United Kingdom. On 28th January 1986 Karim was appointed Metropolite and Patriarchal Vicar of the Archdiocese of the Syriac Orthodox Church and he was responsible for the east of the United States of America. The enthronement to the Patriarch of the Syriac Orthodox Church took place in Damascus on 29th May 2014. In June 2016 he escaped scarcely a murderous attack in his birthplace Qamishli where several innocent civilians lost their lives.

I got to know the Patriarch personally at several discussions and interviews which I have performed for the German television. At the beginning I was skeptical towards him, because I was and I am still of the firm opinion that clerics should not intervene in political affairs. But then I did not have any doubts anymore and recognised that I should make an exception especially for this cleric. A key moment which led to this was an interview with him in Northern Syria some years ago during which he criticised me for my military seeming clothes with a wink. I told him that I would not wear a suit with a tie in a war zone and put myself on display as a potential target.
His response astonished me.

He told me that the Islamic State would take me and separate my head from my shoulders with a look that was not meant. At first I was shocked and looked at the cleric who then read my face and confirmed my flabbergasted look with a gentle smile.

“I was kidding my son“, he said to me. I should not be worried. I would return unhurt. He just wanted to loosen my situation, simply because the situation made it necessary and because I, the Western journalist was too starchy. He filled my heart with joy with this gesture despite the very black humour of this joke. Subsequently the spiritual leader insisted on blessing me before I could leave.

“Do not worry, you will come again“.

These motivating words branded on my mind so I headed south.
Years later I again and again monitor the work of this human being who from now on appears more than a politician in my eyes. Somebody who can influence a young and sceptic person in such a sensitive and definite way is not just a simple cleric. He is a politician, a diplomat and more importantly a “bridgebuilder” likewise.

Bridges are being built by this servant of God. Solely the Christian principle of altruism does not allow anything else. If you now look at the career of this politician and diplomat you will realise that his life is also shaped by bitter experiences. Despite these awful experiences he has never let anything take away his joy of living and has even published books for children. Even the attempted attack on his life has not deterred him from searching for dialogue.

A dialogue which is being criticised by a few who do not know it better and who are following the way of conflict. At a meeting of the Patriarch with a Shiitic cleric he has demonstrated the respect due to him. The Patriarch, the leader of one of the oldest churches of the world went into an open and honest “dialogue” with a representative and leader of the Shiitic Islam. At this meeting he took the Holy Qur’an in his hand and held it at his forehead. In this context one should know that this is nothing unusual even the other way round in the Shiitic region e.g. in Iran. Iran forms the centre of Shia Islam. I know from my own experience and through numerous interviews with clerics in the country of Shia Islam that both the Bible and the Torah are not only touched respectfully and kept at special places. Both scriptures as well as further scriptures of other religions are again and again consulted in a philosophical consent.

Being shaped by this knowledge the head of my church in which I was born has done exactly the right thing. He has given the respect due to the persons who respect him. After all without separating himself from his cross like two envoys of Western Churches have done recently in the Middle East.

Patriarch Moran Mor Ignatius Ephram II Karim is looking for discussions at eye level with those who are ready to get on the same level. What more can one require from a cleric, a politician, a diplomat … a bridgebuilder!
Escaping from death he stands up for peace, dialogue and tolerance.
In the face of the dramaturgy of this war he meets the deepest Christian virtues.

The Love of neighbour!

I can still only be proud of such a human being. Proud that he exists hoping that his work will last for a very long time.
Not in terms of a single church or religion, but in terms of a worldwide peace and on behalf of humanity.

Thank you Patriarch Moran Mor Ignatius Ephram II Karim

Simon Jacob, Munich, 17th January 2017

Markus Meleka​, many thanks for translating the report