Der SDF (Syrian Democratic Forces) ist das Ende des „Islamischen Staates“
English Version

Land: Nordsyrien
Ort: Kobane
Datum: 22.12.2015

Was ist der SDF ?

Am 10. Oktober 2015 erfolgte der Zusammenschluss verschiedenster Kampfeinheiten im nordsyrischen Raum zur sogenannten „SDF – Syrian Democratic Forces“.
Diese hat es sich zum Hauptziel gemacht den Islamischen Staat zu bekämpfen und setzt sich zur aktuellen Stunde aus den Kampfeinheiten wie folgt zusammen:

1. Der Kurdischen YPG und ihr weiblicher Pedant, der YPJ
2. Der christlichen MFS – Syriac Military Council (Eigenbezeichnung – Suryoye oder auch Assyrer, Aramäer, Chaldäer genannt)
3. Mehrerer sunnitisch arabischer Stämme wie z.B. des Sanadid – Shamar – Stammes.
4. Teilen der „FSA – Freien Syrischen Armee“ – wie folgt
a) Al Raqqa Revolutionaries/Thwar Al – Raqqa
b) Shams Al Shamal – Northern Son
c) Gurfet Amadiat Burka Alfurat
d) Iiwaa Al Tahrir/Al Tahrir Brigade

Laut dem Pressesprecher der SDF, Colonel Tala Ali Selo, der turkmenischer Abstammung ist und ebenfalls der Freien Syrischen Armee angehört, werden im Laufe der Zeit weitere Gruppierungen innerhalb der Rebellenarmee zur neu gegründeten Organisation hinzustoßen. Mit Colonal Tala hatte ich auch am 22.12.2015 die Möglichkeit in der Nähe von Kobane mehrere Gespräche zu führen, bevor dieser, nach einer medienwirksamen Pressekonferenz bei der ich als einziger westlicher Journalist anwesend war, den Vormarsch Richtung Raqqa ankündigte.

Führungsstruktur des SDF

Der Kommandorat des SDF besteht aus 42 Personen, welche, aufgeteilt nach einem Schlüssel, den verschiedenen Fraktionen angehören. Dieser berät den Führungsrat, der die eigentlichen Entscheidungen trifft. Der Führungsrat besteht wiederum aus neun Personen, welche ebenfalls die einzelnen Gruppierungen repräsentieren. So soll sichergestellt werden, dass jeder gemäß seiner Truppenstärke eine entsprechende Präsenz erhält.

Ziele

Südlich von Kobane fand eine große Pressekonferenz statt, bei der alle Akteure versammelt waren. Eine Konstellation, die manch einer im Westen so nicht erwartet hätte. Kurden, Turkmenen, Suryoye (Christen) und Araber gaben bekannt, dass man nun mit der Einkesselung Raqqas beginnen würde. Unterstützt durch Luftschläge des Westens und einer Beobachtungsmission Deutschlands (Tornadoaufklärer), sollte der IS noch weiterzurückgedrängt werden. Durch die zahlreichen Gespräche mit Vertretern des SDF war immer wieder zu hören, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der IS in Syrien besiegt werden wird. Die Kampfmoral der Terrororganisation ist bei weitem nicht so stark wie diese gerne vorgibt. Syrische Gefangene würde sich sofort ergeben. Ausländische Kämpfer bevorzugen den Tod. Unabhängig davon welche Art des Kampfeinsatzes die selbsternannten Gotteskrieger an den Tag legen, das Ende ihrer Tage scheint besiegelt zu sein. Ein klares Zeichen dafür sind die vielen sunnitisch – arabischen Stämme, auch einige aus Raqqa, die sich öffentlich gegen den IS stellen und diesen nun auch unter der Gefahr, dass ihre Familien dafür den Preis bezahlen, gegen diesen kämpfen.

Persönlich konnte ich mit mehreren Mitgliedern der Stämme Gespräche führen. Allerdings unter der Bedingung, dass ich keine Fotos mache.

Zwei Tage später wurde vermeldet, dass man weitere strategische Ortschaften vor Raqqa eingenommen hat. Dabei war es nicht das Ziel, die Hauptstadt des IS direkt anzugreifen. Die Taktik der Einkesselung und des Abschneidens von den Versorgungswegen stand im Vordergrund.

Reaktionen des IS

Noch an Heilig Abend, zurück in der relativ sicheren Stadt Qamishli im Norden des Landes, berieten Sicherheitskräfte darüber, Weihnachtsfeiern einzuschränken. Allgemein war davon auszugehen, bedingt durch den massiven Druck dem der IS nun ausgesetzt ist, dass Anschläge in sicheren Zentren verübt werden würden. Ähnliches hatte ich bereits im irakischen Kirkuk vernommen, als ich an der Front war. Es liegt in der Natur der Extremisten, sobald sich der Druck erhöht, aus Gründen der Abschreckung die Zivilbevölkerung in den Metropolen zu verunsichern. Nur ein paar Tage nach meiner Abreise erfolgten zu den Neujahrsfeierlichkeiten die befürchteten Anschläge in Qamishli. Die Vermutung lag anfangs jedoch näher, dass diese in der südlichen Stadt Hassake stattfinden würden, da die Region dort immer noch von IS – Anhängern infiltriert ist. Dahingehend war es dann doch eine Überraschung, dass der Angriff in einer recht sicheren Stadt erfolgte.

Konsequenzen für Europa

Der IS verhält sich nun wie ein wildes Tier, welches zurückgedrängt wird, so der Colonel. Und je intensiver dieser in die Enge getrieben wird, desto stärker wird er versuchen auch Anschläge in westlichen Metropolen zu verüben. Gerade aus diesen Gründen sollte dem IS so schnell wie möglich ein Ende gesetzt werden. Übrigens nicht nur dem IS, sondern auch der „Al Nusra Front“, die, so der erfahrene Turkmene, in der Ideologie dem IS in nichts nachsteht. Eher bilden beide Gruppierungen eine Einheit. Während „Al Nusra“ sich als die moderate Version ausgibt, sollte der IS einen gewaltvolleren Weg einschlagen. „Al Nusra“ ist praktisch „IS light“.
Beide Organisationen sind hochgradig gefährlich und Verhandlungen mit diesen werden ausgeschlossen.

Was kommt danach?

Übereinstimmend sieht man weder mit den Extremisten eine Zukunft noch mit dem Regime in seiner jetzigen Form. Die administrative Struktur muss nach einer Übergangszeit mit Assad erhalten bleiben. Der Fehler, den die Amerikaner 2003 im Irak machten, nämlich die Auflösung der staatlichen Strukturen, darf in Syrien auf keinen Fall wiederholt werden.

Danach muss ein dritter Punkt erfolgen. Die Etablierung einer demokratischen Struktur, unter Beachtung der kulturellen Gegebenheiten, welche allen Völkern und Religionen die gleichen Rechte zusichert. Wenn alle Bürger das Gefühl haben die gleichen Rechte zu erhalten und Leben zu können, wird dieser Krieg ein Ende finden.
Und vielleicht als Beispiel für andere Staaten des Nahen Ostens dienen können.

Simon Jacob

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