Ein ungewöhnliches Thema für eine Weihnachtsfeier, zu der Simon Jacob, Friedensbotschafter des Zentralrates Orientalischer Christen und Initiator der Peacemaker-Tour referierte – wäre diese nicht beim Außen-und Sicherheitspolitischen Arbeitskreis der CSU in Augsburg. Dass man damit nicht nur den Nerv der Mitglieder traf, zeigte auch die rege Teilnahme der regionalen Politiker, unter ihnen der Bundestagsabgeordnete Volker Ullrich.

Zum Ende seines rund 6-wöchigen Türkeiaufenthaltes, bei dem er nicht nur Gespräche mit Politikern und Geistlichen führte, sondern auch mit den einfachen Menschen, beobachtete Simon Jacob auch die Parlamentswahlen in der Türkei. Trotz gezielt geförderter Angst im Vorfeld, seien die Wahlen doch frei und demokratisch abgelaufen. Jedoch hatte diese Angstatmosphäre zur Folge, dass sich viele türkische Staatsbürger einen starken Mann an der Spitze des Staates wünschten und Erdogan seine Machtposition weiter ausbauen konnte. Die dem Putsch im Juli 2016 folgenden Ausnahmeregelungen führten zur Einschränkung der Presse-und Meinungsfreiheit, Verfolgung und Verhaftung politischer Gegner und Entlassung tausender Bediensteter im Bildungswesen. Sie zeigen ein Wegdriften von demokratischen Werten hin zum Autoritarismus. Unter diesem haben religiöse Minderheiten ebenso zu leiden wie Oppositionelle und Frauen. Damit verstößt die Türkei sowohl gegen die Menschenrechtscharta der UN als auch gegen die europäische Menschenrechtskonvention. Wenn man sich die geltenden europäischen Gesetze betrachtet, so kann es nur eine Schlussfolgerung geben: Die Türkei kann und darf nicht in die EU aufgenommen werden, aller Erpressungsversuche (Flüchtlingsabkommen, Grenzsicherung) zum Trotz. Ein genaueres Hinsehen, Bennen der Verstöße und damit einhergehend eine klarere Linie der Politik im Umgang mit der Türkei sei mehr als wünschenswert, so Jacob.

Dazu gehöre auch die Kurdenfrage. Den kurdischen Stämmen, deren ursprüngliches Siedlungsgebiet sich in der heutigen Südosttürkei, im Iran, im Norden des Iraks und im Norden Syriens befindet, wurde von den Siegermächten des ersten Weltkriegs ursprünglich Autonomie versprochen. Der Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches, die Türkei, konnte diese Zusage allerdings mit dem Vertrag von Lausanne revidieren. Die Kurden verloren dadurch ihren Anspruch auf die eigene Unabhängigkeit, um die sie seitdem kämpfen.

Durch den Kampf gegen den IS wurden die kurdischen Peshmerga im Nordirak und der Zusammenschluss verschiedener kurdischer, christlicher und arabischer Kampfeinheiten zum SDF ( Syrian Democratic Forces) in Nordsyrien, zu den Hauptverbündeten der westlichen Alliierten. In diesen Gebieten haben sich auch bereits Autonomieregionen entwickelt.

Diese Regionen wurden von Simon Jacob teilweise mehrfach schon bereist. So dokumentierte er im Dezember 2015 bei seiner Peacemaker-Tour zum Beispiel die Massengräber der Jeziden oder die völlige Zerstörung der für den IS strategisch wichtigen Stadt Sindschar. Beeindruckend waren auch die Bilder, die er nur knapp vier Wochen zuvor gemacht hatte, in der vom IS befreiten Stadt Bartella. Nicht nur, dass Häuser zerstört und unbewohnbar gemacht wurden. Selbst vor den Gräbern wurde nicht haltgemacht. Zerstört, geschändet, der Verstorbenen beraubt, bieten sie einen im höchsten Maße schmerzhaften Anblick.
Der Besuch in einem der Gebäude, das als Schule diente, zeigt nicht nur die Grausamkeit des IS, sondern auch zugleich eine neue Gefahr: eine von Brutalität indoktrinierte, neue junge Dschihadisten-Generation, die vom Islamischen Staat herangezüchtet wird. Hier wurden neben der Koranlehre und der Umgang mit Waffen auch unterrichtet, wie man einem Menschen möglichst grausam das Leben raubt. Diese junge Generation bildet nicht nur eine Gefahr für den Nahen Osten, sondern auch für den Westen. Eine Tatsache, der wir uns bewusst werden und stellen müssen.

Daniela Hofmann
Redaktion