Eris – Oliven und der Weg zum Frieden

Land: Türkei
Ort: Hatay/Antakya – Tokacli
Datum: 15.10.2015

Wie es der Zufall so will, treffen wir auf den Weg nach Tokacli, wo wir einen Geistlichen der Rum-Orthodoxen Gemeinde besuchen wollten, Eris – einen jungen Schweizer – Deutschen, 35 Jahre alt, der uns hilfsbereit auf seinem Traktor sitzend, den Weg in das Dorf zeigt. Überrascht durch diese wunderbare Geste machten wir mit dem Jungunternehmer einen Termin aus, um mehr über die Gründe seiner Auswanderung zu erfahren.

Eris ist das Kind von Flüchtlingen. Aus politischen Gründen musste der Vater, der heute als Psychiater in der Schweiz lebt und arbeitet, das Land verlassen. Mit fünf Jahren als Kind eine neue Welt entdecken, die so viel anders ist als das, was er in seiner früheren Heimat kannte, birgt große Herausforderungen. Aufgewachsen in der Schweiz und das Journalismus Studium abgeschlossen, suchte er im beruflichen Rahmen temporäre Beschäftigungen. Wie ich erfahren durfte, gelangte der sympathische Mittdreißiger, der jetzt Bioolivenbauer ist, an einen Punkt, der entscheidend für sein Leben war.

Ins Kloster gehen kam nicht in Frage. Als bekennender Atheist wären das doch recht schwere Hürden. Schafe auf Neuseeland züchten? Zu weit weg von der Familie.

Der logische Schritt, jedenfalls für Eris, bestand darin, das Erbe seiner Eltern anzutreten – ein weites Stück Land, nahe der syrischen Grenze, um Biooliven anzubauen.

Manch einer mag den jungen Mann für verrückt halten. Denn warum ausgerechnet in Zeiten wie diesen nahe der syrischen Grenze etwas aufzubauen, scheint an Wahnsinn zu grenzen. Und doch erscheint es einem logisch, wenn man offen für seine Argumentation ist.

„Der eigentliche Krieg den sie hier haben, ist der Kampf ums Überleben“.

So Eris.

Gerade für die Geflüchteten in der Türkei, nahe der Nullgrenze, wo Freunde ebenfalls Olivenfarmen haben, sei es wichtig, Zeichen zu setzen. Denn wenn Menschen hier bleiben, der Umgebung Perspektiven mit technologischem Know – How aufzeigen und Trends aufgreifen, wie z.B. die „Slow – Food“ Bewegung, welche auch in der Türkei Einzug hält und für die die Biobauern ebenfalls produzieren, entstehen neue Möglichkeiten. Und damit auch Stabilität und Frieden.

Mit diesen Worten löst Eris bei mir eine Ehrfurcht vor seiner Entscheidung aus, die bedeutender ist als die Versprechen und Millionenzusagen manch eines Staates, um zwar den Flüchtlingen temporär behilflich zu sein, die dann doch letztendlich weiterhin ohne Perspektive bleiben, wenn die Ursachen für Flucht und Vertreibung nicht bekämpft werden. Dazu gehören Krieg, aber auch wirtschaftliche Missstände, welche Familien dazu zwingen das Land zu verlassen.

Und hier setzt Eris mit seinem Projekt an. Eben Frieden durch Biooliven. Gepaart mit positiven Perspektiven für alle Menschen in der Region.

Ich bedanke mich bei Eris und seiner Familie für das wunderbare Interview und freue mich bereits auf die nächste Begegnung.

Über die Mailadresse eris@celikel.ch oder unter der Telefonnummer +90 536 241 91 58 kann man mit Eris direkt in Kontakt treten, wenn man mehr über sein Projekt erfahren möchte.

Simon Jacob, Hatay/Antakia – 15.10.2015, Tokacli

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