Freiheit ist die effektivste Waffe gegen den IS

Land: Georgien – Armenien
Ort: Grenzübergang
Datum: 16.11.2015

Es ist ein schöner Montag Morgen in Tiflis. Nach zehn Tagen Aufenthalt breche ich Richtung Armenien auf. Ich sitze in einem vollgepackten Minibus und nehme mir endlich Zeit für mich. Die Eindrücke der letzten Tage durchdringen meine Gedanken. Religionen, Kulturen und Traditionen auf sich einwirken zu lassen, verändern den Menschen.

Mitten in der Nacht, in meinem Apartment, hatte ich von den Anschlägen in Paris erfahren. Die ganze Nacht hindurch war ich nicht fähig die Augen zu schließen. Bilder aus der Vergangenheit, aus dem Nahen Osten, gingen mir durch den Kopf. Und mir wurde völlig klar, dass ein Anschlag im Herzen Europas, im Verhältnis zu einem ähnlichen Gewaltakt in Syrien oder dem Irak, alles verändern wird.
In Kombination mit den Flüchtlingsströmen, Pegida-Demonstrationen und einer allgemeinen Angst in Europa vor dem Islam und seinen orthodoxen Strömungen, war und ist ein Rechtsruck zu erwarten. Mehrfach habe ich in Vorträgen und Artikeln, im Januar dieses Jahres sogar bei einer Konferenz mit dem Bundespräsidenten, darauf hingewiesen. Leider zu oft vergeblich. Manche Medien in Deutschland hatten nur ein Lächeln übrig statt die Realität, untermauert mit Fakten, zu betrachten.
Meine schlimmsten Befürchtungen, das Einhämmern eines Keils in die westliche Gesellschaft mit all ihren Werten, hat an Intensität zugenommen.
Und genau das ist das Ziel der Extremisten. Sie möchten die Bürger spalten. Und möchten, dass wir uns für eine Seite entscheiden müssen. Gemäß ihrer eigenen Betrachtung der Welt, welche diese in Schwarz und Weiß unterteilt, in der es nur „Gläubige“ und „Ungläubige“ gibt. Und es sind tatsächlich zwei Welten, die sich dieser Herausforderung stellen müssen.

Einerseits ist es die Welt des Islams. Die religiösen Führer der Umma, der muslimischen Gemeinschaft, werden sich nun endgültig mit dem Status der Menschenrechte auseinandersetzen müssen,wenn es um Minderheiten und Andersgläubige geht, den Rechten der Frau und der Entkopplung der Religion von politischen Themen. Denn es ist ein innerislamischer Konflikt, begründet durch Suren der Gewalt im Koran, die nun einmal existieren und vor der in der Mehrheit „Muslime“ fliehen. In Mossul gibt es keinen Assad, der bombt, um der Behauptung entgegenzutreten, dass alle Menschen nur vor diesem die Flucht ergreifen, sofern sie dazu überhaupt in der Lage sind.
Wenn Flucht kein Ausweg ist, arrangieren sie sich eben mit denen, die gerade an der Macht sind.
Wie sollten sie auch anders ?
Angst ist ihr ständiger Begleiter. Jubeln sie nicht bei einer Hinrichtung, machen sie sich verdächtig. Beten sie nicht oft genug, machen sie sich verdächtig. Möchten sie die Stadt verlassen, werden die Verwandten in Geiselhaft genommen, denn sie sind jetzt verdächtig. Hunderttausende von Syrer fliehen nicht nur vor den Bombenfässern Assads. Sondern auch und gerade wegen der Brutalität des IS.
Dies alles sollten wir bedenken, bevor wir den Mantel der Pauschalisierung über die Flüchtlingsströme legen.
Solange wir die Kernprobleme in den Regionen nicht lösen, und dazu gehören wirtschaftliche Perspektiven für Millionen junger Menschen, werden wir auch den Extremismus und seine Folgen nicht besiegen können.
Solange wir weiterhin den wahabitisch geprägten Islam, dank der Öleinnahmen ein Exportschlager aus der arabischen Halbinsel, nicht stärker in die Verantwortung nehmen, werden wir das Problem nicht lösen.
Solange in der Welt des Nahen Ostens ein Frauenbild existiert, welches dem weiblichen Teil der Gesellschaft in der individuellen Entfaltung einschränkt und damit im Allgemeinen die Freiheit des Bürgers, wird sich keine Verbesserung zeigen.

Die massive Korruption ist nur noch der Beschleuniger, welcher das System im Chaos versinken lässt.

Wenn weiterhin Waffenexporte in die Region, verbunden mit einem hohen Profit für Konzerne weltweit, ein gutes Geschäft bieten, werden sich die Konfliktparteien nicht an einen Tisch setzen.

Die Sucht sich auf politischer Ebene zu profilieren, um aus dem Krieg Profit zu schlagen, verleiht dem einen oder anderen Politiker temporär Aufmerksamkeit. Mündet aber letzten Endes in einer weiteren Spirale der Gewalt, die es zu durchbrechen gilt.

Beginnen wir nun in Europa zu pauschalisieren, verraten wir unsere eigenen Werte und spielen denen in die Hand, die die Spaltung der Gesellschaft als heiliges Ziel auserkoren haben. Wir werden zu Handlangern derer, die die Welt eben in die, die sich unterwerfen, verbunden mit dem Verlust der Freiheit, unterteilen und denen, die sich die Freiheit nicht nehmen lassen, zu denken, zu leben und lieben wie sie wollen.

Der IS hat den Westen dekodiert und dabei seinen größten Feind ausgemacht. Dieser ist die individuelle Freiheit jedes einzelnen Bürgers, welche die Gedanken derer beflügelt, die in einem System gefangen sind, das mit brutaler Hand und drakonischen Strafen die eigene Macht zu sichern vermag.
Die Freiheit ist das stärkste Instrument des Westens gegen Angst und Unterdrückung. Eine Welt, die vielleicht nicht in allen Facetten perfekt ist. Aber eine Frau eben nicht befürchten muss gesteinigt zu werden, wenn sie eine außereheliche Partnerschaft eingeht. Homosexualität nicht mit dem Tod endet. Das Äußern der eigenen Meinung, Kritik an der Mehrheitsreligion eingeschlossen, nicht mit den schmerzhaften Hieben einer Peitsche bestraft werden. Das Ausüben einer anderen Religion nicht dazu führt, die angestammte Heimat verlassen zu müssen.

Rechte, die allen Menschen, gemäß der UN – Charta von 1948, zugänglich sein sollten. Und gerade wegen Mossul, Bagdad, Ankara, Kobane, Beirut, Paris…… ist es nun Zeit.
Zeit für die führenden Theologen in der sunnitisch geprägten Welt sich mit den allgemein gültigen Menschenrechten auseinanderzusetzen. Saudi Arabien ist hier im Besonderen zu nennen.

Es ist Zeit für den Westen darüber nachzudenken, ob die Gier nach Profit, dazu gehören Waffenlieferungen und die Sicherung begrenzter Energieressourcen, all die Konflikte legitimieren, welche ebenfalls zu dem Flüchtlingsströmen beigetragen haben.
Vielen Dschihadisten geht es noch nicht einmal um den Glauben, weshalb sie diesen ganzen Aufwand betreiben. Niedere Instinkte, oft gepaart mit einen Verlangen sadistische Neigungen ausleben zu können, spielen ebenfalls eine Rolle. Doch viele können, so paradox das klingen mag, mit dem IS leben. Solange dieser für Ordnung sorgt, ein kleines Gehalt entrichtet und vor allem die Sicherheit der eigenen Familie innerhalb eines eingeschränkten Rahmen zusichert.

Worauf kommt es nun an ?

Zunächst einmal ist festzustellen, dass militärische Interventionen nur einen temporären Effekt haben, welche mittel – bis langfristig das Problem nicht lösen werden. Meine persönlichen Erfahrungen in Kriegsregionen sprechen dafür.
Eine junge Generation im Nahen Osten braucht Freiheit. Die Grundlage in einem wirtschaftlich starken und von Sicherheit geprägten Rahmen sich auch entfalten zu können. Entkoppelt von stark staatlichen und religiösen Einschränkungen. Gefördert durch eine massive Bildungs- und Wirtschaftsoffensive.
Dieses generationenübergreifende Ziel kann nur verwirklicht werden, wenn der liberale Islam an Stärke gewinnt. Klar und deutlich die allgemein gültigen Menschenrechte, verankert in einem Bollwerk, aufbaut, welches extremistische Strömungen in die Schranken weist.

Der Westen steht vor der Herausforderung, nicht nur den Zufluss an Waffen zu reduzieren bzw. massiv einzuschränken. Auch wenn das zunächst einmal den Verlust von Arbeitsplätzen bedeutet. Ebenfalls ist dieser gefordert, bei Bildungs – und Wirtschaftsprojekten behilflich zu sein.
Es ist ein gordischer Knoten, der gelöst werden muss. Doch führt kein Weg daran vorbei, wenn man die Ursachen der Flüchtlingsströme an der Basis angehen möchte. Und Europa gezwungen wird, auch das lässt sich nicht vermeiden, die Grenzen besser zu schützen.

Verbunden mit einer europäischen Einwanderungspolitik in der die Werte, die einst aus dem Herzen Frankreichs kamen, als Standard für jeden Bürger zu definieren, welcher ein Leben in Freiheit führen möchte. Egal, ob es sich nun um einen Neuankömmling oder Einheimischen handelt.

Europa muss gewillt sein, als klares Zeichen, die Ideale der Freiheit unter allen Umständen zu verteidigen. Der beste Weg dazu besteht darin, zu diesen Werten zu stehen. Ohne Schamgefühl und mit dem Stolz auf dessen, was man nach zwei verlustreichen und furchtbaren Kriegen geschaffen hat.

Nun nehme ich mir die Freiheit auf meiner Fahrt von Georgien bis nach Armenien die Landschaft, in meinem völlig überfüllten Minibus, zu genießen.

Bevor es mich in zehn Tagen in den Iran verschlägt.

Simon Jacob

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