Gehört der Islam zu Deutschland?

Ein Vortrag von Frau Professor Christine Schirrmacher

Auf Einladung der CSU Kelheim referierte die anerkannte Islamwissenschaftlerin am politischen „Ascherdonnerstag“ in Abensberg zu einem derzeit brisanten und hochaktuellen Thema, das auf reges Interesse der Bevölkerung stieß.

In seiner Begrüßung wies Martin Neumeyer, ehemaliger Integrationsbeauftragter der bayerischen Staatsregierung und jetziger Landrat des Landkreises Kelheim, darauf hin, dass wir bereits die letzten Jahre durch die Zuwanderung viele Veränderungen haben, diese sich aber die nächste Zeit noch verstärken werden. Aber es sei egal, wer zu uns ins Land komme: es sei nicht Deutschland, das sich anpassen müsse. Man müsse den Menschen an sich integrieren, keine Religionen oder Ethnien, so Neumeyer. Von daher gehöre der Islam ebenso wenig nach Deutschland wie der Buddhismus oder der Hinduismus, wohl aber der Muslim und der Hinduist gleichwohl wie der Christ oder der Atheist. Einer daraus resultierende Werte- und Moraldebatte dürfen man sich nicht verschließen.

Ihre Sichtweise auf den Islam erläuterte Frau Professor Schirrmacher in „zehn Thesen“, wie sie es nannte und ging zunächst auf den Zuzug der Gastarbeiter ein, die Anfang der 60er Jahre explizit von Deutschland, viele davon bewusst mit niedrigem Bildungsstandard, angeworben worden waren. Damals ging man davon aus, dass diese wieder in ihre Heimatländer, speziell die Türkei, zurückkehren würden. Ein Teil dieser Zuwanderer hatte für sich den Anspruch, Deutschland als Staatsbürger mitzugestalten. Der andere Teil jedoch wollte und will immer noch dieses Land im Sinne des Islamismus umgestalten und das trage zu den aktuellen Problemen wesentlich mit bei.

Darüber dürfe man jedoch nicht die Muslime aus dem Blick verlieren, die engagierte Demokraten und Brückenbauer sind. Nicht alle Probleme innerhalb der Gesellschaft könnten ihnen zur Last gelegt werden. Man müsse mehr differenzieren und weniger pauschalisieren. Gerade die Muslime, die sich für die allgemeingültigen Menschenrechte einsetzen, sind im Visier der radikalen und extremistischen Gruppierungen des Islam, welche durch finanzielle Geldgeber aus dem nahöstlichen Raum mitfinanziert werden. Aus diesem Grunde müsse man auch klar festhalten, dass der Islam in Deutschland aus dem Nahen Osten geprägt wird, der Westen aber auf diesen kaum Einfluss hat.

Eine wichtige Bedeutung komme auch dem Kampf um die Jugend, speziell der Nachfolgegenerationen der Zuwanderer, zu. Einige von ihnen hätten ebenfalls einen niedrigeren Bildungsstandard und geringere Qualifikationen und fühlten sich nicht in die Gesellschaft integriert. Sie sind eine leichte Beute für radikale Strömungen, die ihnen klare Linien und Halt bieten und ein Gefühl von Gemeinschaft suggerieren.

Ein oft außer Acht gelassener Punkt wenn man im Islam über die Scharia spricht, sei, dass sich diese in verschiedene Bereiche aufspalte und sich beispielsweise Teile des Ritualrechtes wie man zu beten oder zu fasten hat, sich durchaus mit der Demokratie vereinbaren lassen, so Schirrmacher. Schwieriger werde es schon bei den Teilen, die das gesellschaftliche Leben prägen, wie beim Heiraten oder Vererben. Versuche die Scharia jedoch sich in den politischen Bereich einzubringen, sei sie in vielerlei Hinsicht problematisch und antidemokratisch. An dieser Stelle sei jedoch der Iran erwähnt, in dem sich vor allem die jungen Menschen für einen islamisch geprägten Staat ungewöhnlich kritisch gegenüber dem Islam äußern und sich mit dessen Auslegung beschäftigen.

Jedoch kennt die Theologie im Besonderen in den sunnitisch geprägten Moscheen keine Religionskritik und im speziellen keine Aufklärung. Die beiden Aufklärungsversuche im 9. und im 19. Jahrhundert sind gescheitert und die Religion wurde wieder zur Stütze einer autokratischen Politik. Dieses Scheitern und verschiedene Einflüsse wie die Aufteilung des Nahen Ostens durch die Kolonialmächte, haben ihn in seiner wirtschaftlichen, militärischen und bildungspolitischen Entwicklung zurückgeworfen. Die heutigen Flüchtlingswellen seien die Ergebnisse dieser Misspolitik der letzten 100 Jahre und des demografischen Wandels. Der Wunsch, das Versäumte wieder aufzuholen stärkte den Extremismus, der ebenso einen starken autokratischen Herrscher forderte wie die Rückkehr zum „wahren“ Islam.

Dafür bedienten sich extremistische Strömungen wie Al-Kaida und IS auch der sozialen Medien und Netzwerke. Informationen die früher nur lokal verfügbar waren oder für die es längere Zeit brauchte um sie zu verbreiten, sind heute in Sekundenschnelle weltweit verfügbar. Auf der einen Seite werden sie genutzt, um Angst und Schrecken zu verbreiten, andererseits sind aber auch die Bilder des reichen und freien Europa überall zu sehen, die gezielt eingesetzt werden, um beispielsweise Neidgefühle zu wecken.

Das Ringen zwischen Sunniten und Schiiten um die Vorherrschaft im nahöstlichen Raum und um das Sagen in der Gesellschaft tragen wesentlich zu deren Instabilität bei. Dieser Kampf geht zurück bis zum Tode des Propheten Mohammed und seiner ungeregelten Nachfolge. Während die Schiiten nur einen Nachfolger aus Familie des Propheten anerkennen, der als Iman an der Spitze steht, sollte der Nachfolger laut der sunnitischen Auslegung jedoch ein fähiger Heerführer aus dem Stamme Mohammeds sein, der als Kalif bezeichnet wird. Das Trauma des Verlustes des letzten Kalifats durch den Angriff der Mongolen 1258 wirkt bis heute nach. Unter allen Umständen und unter Zuhilfenahme von Gewalt versucht man bis heute wieder ein Kalifat zu errichten.

Diese Auslegung des Korans und dessen Suren und Hadithen zeigen deutlich, dass der Islam ein theologisch begründetes Gewaltproblem habe, erläuterte Professor Schirrmacher. Auch wenn es durchaus Positives gäbe blieben die kriegerischen Verse ein Problem, solange man sie nicht im historischen Kontext betrachten und für die jetzige Zeit anders auslegen und entschärfen dürfe. Dass es im Islam keine Hierarchie in der Theologie gibt, erschwere das Ganze.

Der Herausforderung Islam muss die westliche Welt mit Augenmaß und Realismus begegnen und den politischen Islam diskutieren, ohne ihm jedoch den Bonus der Religionsfreiheit zuzugestehen. Es muss dringend eine Reformation hin zu einem demokratie-kompatiblen Islam geben. Aber das gehört auch entsprechend gefördert, so das Fazit.

Daniela Hofmann