Georgien – Integration durch Sprache. Ein Beispiel für Deutschland?

Land: Georgien
Ort: Tiflis
Datum: 13.11.2015

Am 13.11.2015 feierte Georgien den Tag der Toleranz. Warum eigentlich?
Dazu muss man zunächst die Geschichte und die heterogen zusammengesetzte Gesellschaft dieses facettenreichen Landes verstehen.

Traditionell ein multiethnisches Land beherbergt Georgien über 26 Volksgruppen. 80 % sind Georgier, 6 % Aserbaidschaner, 5.7 % Armenier, 1.55 % Russen. Weitere Volksgruppen sind Assyrer, Abchasen, Pontos-Griechen, Lasen, Kurden und Juden. In der Region Dschawachetien bilden die Armenier mit 90 % die Mehrheit. In Niederkartlein leben etwa genauso viele Aserbaidschaner wie Georgier. 23 Sprachen werden in einem der ältesten Staaten der Welt gesprochen. Und darin liegt auch das Besondere.
„Das Beherrschen der Sprache ist der Schlüssel zur Integration in die Zivilgesellschaft“, so David Adamov vom Assyrischen Kongress Georgiens. Dem schließt sich Ruslan Pogosyan an, mit dem ich ein Gespräch führen durfte. Als einer von drei armenisch-stämmigen Parlamentariern ist der Menschenrechtsanwalt sensibilisiert wenn es im Besonderen um die größte Minderheit, die Armenier, im Land geht. Bereits im 16. Jahrhundert siedelten diese in Georgien an. Bedingt durch Fremdherrschaft im eigenen Land, fanden sie in den damaligen Königreichen die das georgische Staatsgebiet umfassten Schutz und eine Zukunft unter dem christlichen Banner.
Am 16. Februar 1921 wurde die Demokratische Republik von der Roten Armee eingenommen und in die Sowjetunion eingegliedert. Russisch wurde zur Amtssprache erklärt und das Erlernen dieser war zwingend erforderlich. Nach dem Zusammenbruch des Sowjetreiches galt es, den Zusammenhalt des Staates zu stärken. Die Befürchtung stand im Raum, dass der nun unabhängige Staat vom Inneren heraus gesprengt werden könnte. Und die Sprache ist nun einmal das Bindeglied, welches verschiedene Ethnien zusammenhält und diesen erlaubt, an der Gesellschaft zu partizipieren. Die neue Staatsführung versuchte zunächst mit strikten Mitteln das Georgische einzuführen. Was auch verständlich ist, bei einer georgisch sprechenden Mehrheit. Allerdings führte dies auch zu Benachteiligungen gegenüber anderen Minderheiten, weshalb die Regierung in den letzten Jahren massiv entgegensteuerte. Dass ohne das Erlernen der Sprache eine Integration in die Mehrheitsgesellschaft nicht möglich ist und zu Parallelgesellschaften führt, ist dem Jungpolitiker bewusst. Doch muss eine Balance geschaffen werden. Der Erhalt der kulturellen Identität ist wichtig. Aber unter dem Banner einer Nation und einer gesellschaftlichen Ordnung, die es von jedem zu respektieren gilt. Basierend auf die kulturellen, gesellschaftlichen und religiösen Ressourcen des Landes. Pogosyan sagt dies auch klar und deutlich. Alle Studenten des Landes zum Beispiel, die nicht der georgischen Sprache mächtig sind, bekommen im Rahmen des „4+1 Programms“ ein Jahr lang eine kostenlose Sprachförderung. Integrationsprogramme zum Erlernen der Sprache werden angeboten. Das Ziel besteht darin, jedem Bürger des Landes darzulegen, dass das Erlernen Landessprache von essentieller Bedeutung ist.
Ansonsten erleiden die, welche dieser nicht mächtig sind, eine gefühlte Diskriminierung. Dies kann gravierende Folgen für die gesamte Gesellschaft haben.

Persönlich schweifen meine Gedanken nach Deutschland. In meine Heimat, in die ich als Kind mit meinen Eltern immigrierte. Ohne das Erlernen der deutschen Sprache wäre es mir nicht möglich gewesen, diese Zeilen zu schreiben. Ich hätte noch nicht einmal ansatzweise an der Gesellschaft partizipieren können. Die Sprache zu erlernen war die Basis für mein Schaffen. Und sie ist es auch, die den tausenden von Flüchtlingen in Deutschland alsbald wie möglich nähergebracht werden muss. Denn ansonsten bilden sich vermehrt Parallelgesellschaften, die zu dem führen, was in Georgien befürchtet wird, sofern der Staat nicht gegensteuert.

Und Georgien ist als Staatengebilde einige hundert Jahre älter als Deutschland.

Simon Jacob, 14.11.2015, Tiflis

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