Der Propaganda des IS entgegentreten        Englische Version

Land: Nordirak/Autonomieregion Kurdistan
Ort: Erbil/Regionalparlament – KRG
Datum: 27.12.2015

An meinem vorletzten Tag in Erbil, bevor es zu einer Pause nach Deutschland zurückgeht, habe ich noch einmal die Möglichkeit das Parlament der Kurdischen Regionalregierung zu besuchen. Der Einladung des Hauptverantwortlichen für mediale Aktivitäten folgend, Zagros Ahmed Kamal, seines Zeichens Senior Media Advisor des kurdischen Parlaments im Irak, treffe ich am Nachmittag im Parlamentsgebäude ein und passiere zunächst die zahlreichen Sicherheitskontrollen. Dass diese bitter nötig sind zeigen die immer wieder verübten Anschläge, die sich im Besonderen gegen kurdische Politiker richten. Der Kalif des Islamischen Staates, Abu Bakr al – Baghdadi, hat einige Tage zuvor zur Vernichtung der kurdischen „Kuffars“, also der Ungläubigen, aufgerufen. Dabei sind die meisten Kurden Muslime.
Wie auch Zagros Ahemd Kamal, der mich zum Abendessen zu sich nach Hause eingeladen hat. Gemeinsam steigen wir in sein gepanzertes Fahrzeug. Ein geschulter Bodyguard, der auch sein Fahrer ist, begleitet uns und lässt den Medienverantwortlichen nicht aus den Augen. Das hat ebenfalls einen guten Grund. Zagros lebt gefährlich. Seine journalistischen Aktivitäten machen ihm zum Ziel vieler Extremisten. Gruppierungen wie der IS verlangen bei einer Gefangennahme sehr viel Geld von den Angehörigen und nutzen solch wertvolle Geiseln, um diese medienwirksam besonders perfide hinzurichten.

Der Manager ist ein umgänglicher Mann, der schon lange im medialen Bereich aktiv ist. Nach dem Sturz Saddam Husseins begann er zunächst damit eine neue mediale Struktur aufzubauen, die zur Folge hatte, das in kürzester Zeit eine freie Medienlandschaft, zumindest im kurdischen Raum, entstand. „Früher gab es nur staatlich kontrollierte Medien. Heute über 1000 Plattformen, die alle frei agieren können. Die meisten davon privat finanziert“, so der Medienprofi.

Noch im Fahrzeug, auf dem Weg zu seiner Familie, gibt er mir zu verstehen, dass er sich mit diesem Interview wieder zur Zielscheibe des IS macht. Doch sieht er auch die Notwendigkeit, über die medialen Aktivitäten der Extremisten, die gerade über das Internet und die sozialen Meiden Angst und Schrecken verbreiten, ins Gespräch zu kommen.
Dabei kritisiert er intensivst und mit aller Deutlichkeit die religiöse Auffassung des Islamischen Staates. Er selber ist Muslim, sieht aber seinen Glauben als Privatangelegenheit an. Fehlendes Bildungsniveau und der Einfluss von außen setzten jungen Menschen Denkmuster in den Kopf, welche katastrophal wären und das gesellschaftliche Zusammenleben in Gefahr bringen. Hierbei geht er im Besonderen auf die brutalen Gräueltaten des IS ein, deren Opfer in den meisten Fällen Muslime sind. Denn der IS hat es sich nicht nur zur Aufgabe gemacht Christen, Jesiden und Angehörige anderer Religionen auszulöschen. Gerade die Eliminierung derer, die sich gegen eine ultraorthodoxe Auslegung des Islams und dessen Missbrauch als Religion stellen, geraten in das Fadenkreuz fanatischer Selbstmordattentäter. Die Medien, der sogenannte „Cyber Jihad“, nehmen dabei eine entscheidende Rolle ein. Diese locken zum einen ausländische Kämpfer ins Land, die ihren sadistischen Gelüsten nachgehen und bewirken zum anderen, dass eine immense Angstatmosphäre aufgebaut wird.
Dem kann man nur entgegentreten, wenn man medial dagegenhält. Die Entzauberung des IS, seiner angeblichen Unbesiegbarkeit, spielt dabei eine Schüsselrolle.

Zuhause angekommen und den Bodyguard im Schlepptau, stellt man mir und meinem Team zunächst die Familie vor. Die Tochter, im Teenageralter und modisch gekleidet, empfängt mich im perfekten Englisch. Hierbei betont Zagros noch einmal, wie wichtig das Erlernen der englischen Sprache für ein Weiterkommen der Jugend ist. Beim reichlich gedeckten Tisch, es gibt das landestypische Gericht „Dolma“, dreht sich das Gespräch um die Zukunft des Landes.
Ein nun erschöpfter Vater sieht mich an und unterbricht die Stille nach dem opulenten Mahl mit der Sehnsucht nach Frieden. Seit 35 Jahren kennt er nichts anderes als Krieg in dieser Region.
„Wann gibt es endlich Frieden“, so seine Frage.
Vielleicht mehr für sich als für die Kamera stellt er fest, dass es ohne Frieden zwischen den Ethnien und Religionen für seine Kinder und die kommende Generation keine Zukunft gibt.
Denn Frieden und Sicherheit sind der Garant für eine wirtschaftlich stabile Region.

Aus schon fast traurigen Augen blickt er seine Tochter an.
Fragend, ob Migration nach Europa die Lösung sei.
„Nein ! Ist sie nicht“, sagt er mit nachdenklich gesenktem Blick. Aber manchmal hat man keine andere Wahl.

Hier ist ihre Heimat. Hier ihre Zukunft. Die Zukunft aller hier lebenden Völker.

Und um diese sicherzustellen, appelliert der Vater an den Westen, durch Investitionen und Knowhow, daran mitzuarbeiten.

Denn ein sicherer Naher Osten kann nur im Interesse Europas sein, mit Blick auf die immensen Flüchtlingsströme, die auch im Nordirak einen Exodus in Gang gesetzt haben.

Mit einem etwas betrübten Gefühl verlasse ich das Haus meines Gastgebers.

Ohne zu ahnen, dass ich bald ein Deutschland betrete, welches sich in nur ein paar Monaten immens verändert hat.

Simon Jacob, Nordirak – Erbil

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