„Ende des Abendlandes? Deutschland zwischen Christentum und Islam“

Land: Deutschland
Ort: München
Datum 11.05.2016

Hilton Talk

Der Hilton Talk ist eine Gesprächsrunde für Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft und Medien, der seit über 10 Jahren in Zusammenarbeit zwischen Märzheuser Kommunikation und den Hilton Hotels produziert wird. Hochkarätige Talkgäste diskutieren hier vor ausgewählten Gästen mit Michael Märzheuser über aktuelle Themen, die Deutschland bewegen.

„Ende des Abendlandes? Deutschland zwischen Christentum und Islam“, so lautete das Motto des letzten Hilton Talks in München, zu dem Prof. Dr. Harald Seubert, Professor für Philosophie und Religionswissenschaft, und Simon Jacob, Friedensbotschafter des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland e.V. und Initiator der Peacemaker Tour als Redner geladen waren.

Vor rund 140 geladenen Gästen, so viel wie noch nie zuvor, wie Moderator Michael Märzheuser feststellte, erläuterte Prof. Seubert zu Beginn die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten von Christentum und Islam. Einer der wesentlichen Unterschiede sei, so Seubert, dass der christliche Glaube die Menschwerdung Gottes voraussetzt und eine Religion der Liebe ist, währen der Islam sich stärker auf Macht und Hoheit bezieht und Gott nicht fassbar ist. Jedoch habe der Islam nicht zwangsläufig mit Gewalt zu tun. Man müsse über diesen debattieren dürfen und gegen eine fundamentalistische Glaubensausübung gegebenenfalls mit den uns zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln vorgehen. Die Aussage „Islamismus und die Terroranschläge hätten nichts mit dem Koran zu tun“, sei jedoch Augenwischerei, so Seubert.

Diese von Professor Seubert aufgeführten Punkte konnte Simon Jacob durch seine Reisen, die ihn im Rahmen seiner Arbeit beim Zentralrat und des Projektes Peacemaker Tour mehrfach in den Nahen Osten geführt haben, in jeder Hinsicht bestätigen. Der Zentralrat, der von ihm 2013 mitgegründet wurde, ist ein Sprachrohr für die verfolgten Christen im Orient. Auf diese Weise wird versucht, auf die prekäre Situation der christlichen und anderer Minderheiten vor Ort hinzuweisen. Während die Politik den Christen noch fünf Jahre gibt, sollte sich die dortige Lage nicht sehr schnell ändern, so befürchtet die Geistlichkeit die Ausrottung des Christentums im nahöstlichen Raum bereits innerhalb der nächsten beiden Jahre.

Dass die Menschen im Nahen Osten jedoch sehr wohl in Frieden leben können und wollen, versuchte Simon Jacob mit seiner Peacemaker Tour zu zeigen, zu der er im September letzten Jahres aufbrach. Diese führte ihn über die Türkei, Georgien und Armenien auch in die Krisengebiete Nordsyriens und Nordiraks. Die anschaulichen Schilderungen seiner Besuche bei den Massengräbern der Jezisen in Shingal, den Gräueltaten des „Islamischen Staates“ und seine Besuche an der Front zum IS hinterließen bei den Gästen einen bleibenden Eindruck, wie die vielen Gespräche nach der Veranstaltung zeigten. Wie sehr, davon zeugt die Aussage von Michael Märzheuser: „Während Ihres Vortrages hätte man eine Stecknadel fallen hören können.“

Einen der positiven Aspekte auf dieser Tour bildete der Iran. in dem das Projekt sogar vom dortigen Kultusministerium ausgezeichnet wurde. Wenn man die Situation der Christen im Iran mit der in anderen islamischen Ländern vergleiche, so sei sie um einiges besser. Sie seien beim Ausüben ihrer Religion verhältnismäßig frei, so Simon Jacob. Generell sei festzustellen, dass sich der Iran positiver darstellt, als westliche Medien zu vermitteln suchen, auch wenn vieles noch nicht dem westlichen Verständnis und Werteethos entspreche. Man dürfe aber nicht vergessen, dass hier zwei kulturell unterschiedliche Welten aufeinander treffen und ein Adaptieren und Umsetzten westlicher Wertevorstellungen Zeit und Dialog brauchen. Die  gewaltsamen Versuche des Westens, dem Nahen Osten „Demokratie und Freiheit“ zu bringen, sind bis dato alle gescheitert und haben nur Zerstörung und Chaos hinterlassen.

Dass man diejenigen unterstützen müsse, die den Frieden wollen, darin waren sich Professor Seubert und Simon Jacob einig. Gerade der persische Islam biete dafür durchaus Potential, besteht doch hier, im Gegensatz zum wahabitisch geprägten Islam, die Möglichkeit des sogenannten „Idschtihads“.

Der „Idschtihad“, eine Eigenart des schiitischen Islams, erlaubt den Gelehrten,  sich eigenständig mit einer flexiblen Interpretation religiöser Gegebenheiten auseinanderzusetzen. Dadurch können zum Beispiel Normen, die im 6 Jahrhundert n. Chr. in der damaligen Zeit des Islams noch Gültigkeit hatten, an die heutige Moderne angepasst werden. Voraussetzung dafür ist ein langjähriges Studium. Während hier in Deutschland also noch ein Umdenken im Islam gefordert wird, hat dieser Prozess in Teilen des nahöstlichen Raums bereits begonnen.

Die Kontakte, die man im  Iran habe schließen können und der Wunsch der Menschen sowohl nach interreligiösem Austausch als auch nach Frieden, gäben Anlass zur Hoffnung. Der Zuspruch für das Projekt sei weltweit enorm. Dies seien mit Gründe, so Simon Jacob, dass das als temporär begrenzt angedachte Projekt im Rahmen eines eigenständigen Vereins weitergeführt werden soll.

Die nächsten Ziele? Libanon, Ägypten, Jordanien und Israel – auf der Suche nach Frieden und Menschlichkeit, denn „selig sind, die Frieden stiften“ (Mt. 5,9)

 

Daniela Hofmann 
Redaktion

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