Im Gespräch mit politischen Vertretern der Christen

Land: Nordsyrien
Ort: Gaure Hewore
Datum: 25.12.2015

„Wir sind nicht einfach Christen, wir haben eine Identität“

Mit diesen Worten empfängt mich Isoh Gouriye, der Vorsitzende der „Syriac Union Party – kurz SUP“, in seinem Anwesen. Am ersten Weihnachtstag nach Heilig Abend hatte ich die Möglichkeit, den zum Assad – Regime in Opposition stehenden Politiker über die aktuelle Lage in Syrien zu befragen.

Schon zu Anfang des Gespräches stellt dieser klar, dass die Betrachtung aus der religiösen Perspektive auf ein indigenes Volk des Landes nicht mehr zu akzeptieren ist und den Untergang dieser christlichen Urbevölkerung bedeuten würde. Das Land Syrien hat von den sogenannten „Suryoye“ oder auch im Englischen „Syriacs“ genannt, seinen Namen. Unter diesem Begriff werden alle Syrisch bzw. Aramäisch sprechenden Ureinwohner (Aramäisch bzw. Syrisch war die ursprüngliche Sprache der Region, bevor diese vom Arabischen verdrängt wurde) der Region zusammengefasst. Gerade in Syrien tritt auch oft die Bezeichnung Assyrer auf, vereinzelt auch der Begriff Aramäer und Chaldäer. Die Gemeinsamkeiten liegen in der Sprache, der Tradition und dem christlichen Glauben. Doch gibt es auch „Suryoye“ die zum Islam konvertierten und ebenfalls Teil der indigenen Bevölkerung sind.
Deshalb lehnt es der Vorsitzende der SUP kategorisch ab sich nur als „Christ“ bezeichnen zu lassen. Die Vergangenheit hat gezeigt, gerade wenn es um die Minderheitenrechte ging, dass man, solange man nur als „religiöse Minderheit“ anerkannt wird, kaum Rechte zugesprochen bekommt. So geschehen bei den Friedensverträgen 1923 in Lausanne, aus denen die heutige Türkei als Nachfolgestaat des Osmanischen Reiches hervorging, bei denen die „Suryoye“ (Assyrer/Aramäer/Chaldäer) als ethnische Minderheit aber völlig außer Acht gelassen wurden.
Dieser Fehler dürfe sich nicht wiederholen, wenn es zu einer Neuordnung im Nahen Osten kommt, so Gouriye.

Und gerade aus diesem Grund ist eine Partizipation der „Suryoye“ an einer Neuordnung der politischen Verhältnisse in einem neuen Syrien nötig. Denn wie bisher kann es nicht mehr weitergehen. Ohne die christliche Urbevölkerung geht dem Nahen Osten etwas verloren. Die Brückenbauer, die gerade in der Bildung einen massiven Einfluss hätten, wären nicht mehr da um einen Ausgleich in der Gesellschaft zu schaffen.

Doch genau das ist das, was z.B. Daesh oder auch IS genannt, erreichen möchte, so der Vorsitzende weiter. Dabei ist zu beachten, dass der IS kein neuzeitliches Phänomen ist. Über die Jahrhunderte hinweg in immer neuen Schüben fanden Genozide statt. Unter Missbrauch der Religion wurden ganze Ethnien ausgelöscht und religiöse Minderheiten dezimiert. Doch irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem die indigenen Völker wie z.B. die „Suryoye“ oder auch die „Jesiden“ von ihrer Anzahl her absolut unbedeutend sind. Sie stehen praktisch vor der totalen Auslöschung. Während des Genozids an der christlichen Bevölkerung, unter Beobachtung des Deutschen Kaiserreiches, war dies zwischen 1915 und 1918 der Fall und es wird wieder dazu kommen, wenn nicht innerhalb der nächsten fünf Jahre, mehr Spielraum ist kaum gegeben, keine politische Lösung gefunden wird.

Zu dieser gehört wie eingangs erwähnt die Anerkennung als ethnische Minderheit, die nicht in erster Linie nach ihrer Religion definiert wird.

Ein paar Tage bevor ich diesen Artikel verfasst habe (23.01.2016), wurde ein Bombenanschlag auf den Vorsitzenden der SUP (Syriac Union Party) verübt. Dieser konnte vereitelt werden.

Isoh Gouriye hat überlebt.

Simon Jacob, Nordsyrien – Gaure Hewore

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