Im Schatten der Angst

Metropolit Timotheos Samuel Aktaş

Nun endlich sind wir im Tur Abdin angekommen. Der Ort, an dem ich auf die Welt kam. Der Ursprung meines Wesens, meines Charakters und meines Glaubens. Als ich zwei Jahre alt war verließen meine Eltern aufgrund der ethnischen Spannungen diese Region. Das ist nun 35 Jahre her. Viel hat sich seitdem getan. Es gab positive, aber auch negative Entwicklungen.

Hier, wo gefühlsmäßig der europäisch geprägte Teil der Türkei endet und die Region eher dem Wilden Westen gleicht, wird sich entscheiden, ob und in welcher Form die Türkei zukünftig den so bitter benötigten Frieden findet. Eine Stabilität des post –osmanischen Reiches mit seinen zahlreichen Völkern, gegründet durch den Landesvater Kemal Atatürk, ist nicht nur für die umliegende Region von Bedeutung – sondern für ganz Europa. Ein Europa, welches von der Türkei profitieren kann, und umgekehrt genauso, wenn Stabilität und Friede in dieser Region Einzug halten. Gekoppelt an die Umsetzung der allgemein gültigen Menschenrechte, zu der sich der Nato – Partnerstaat Türkei verpflichtet hat.

Kann die Türkei die Minderheiten hier schützen?

Kann sie diese von den patriarchalischen Strukturen der Clans abschirmen, die türkisches Grundrecht dem traditionellen Recht unterordnen?

Zeitweise sah es so aus, als ob dies möglich wäre.

Doch diese Traditionen zu zähmen, ihnen die Macht zu nehmen, im Sinne einer von Pluralismus geprägten Gesellschaft, könnte sich für die Türkei als schwierig erweisen. Neben dem Konflikt mit den Kurden, welcher neue Tiefpunkte erreicht hat, bilden sie doch mit 90 % die ethnische Mehrheit in dieser Region, sind es auch Ressentiments gegenüber Christen, den ursprünglichen Bewohnern dieser Gegend und die hier allgemein als Suryoye (Aramäer, Assyrer, Chaldäer) bezeichnet werden, die die Situation erschweren.

Und der Staat trägt dabei eine große Mitverantwortung. In Europa suchen wir den Konsens mit dem Islam. In türkischen Geschichtsbüchern werden Christen als Kollaborateure und Landesverräter bezeichnet. Dabei hatten gerade die Christen in dieser Region herzlich wenig mit den Konflikten des ersten Weltkrieges zu tun. Separatistischen Bewegungen gab es, wie sie bei allen Konflikten entstehen. War dies aber eine Berechtigung für das damalige Osmanische Reich, fast die gesamte christliche Bevölkerung auszulöschen?

Übrigens unter den Augen des deutschen Kaiserreiches, dessen Archive im heutigen Deutschland jedem zugänglich sind!

Das 1600 Jahre alte Kloster Mor Gabriel, spirituelles Zentrum der Syrisch – Orthodoxen Kirche in dem Metropolit Timotheos Samuel Aktas lebt, ist ein stummer und zugleich schreiender Zeuge des Umgangs mit Minderheiten und dem allgemeinen Umgang mit dem Christentum in der sunnitisch – islamischen Welt.

Gewiss, die heutige Türkei ist säkular geprägt. Aber nur bis zu den Grenzen Antakyas. An dieser unsichtbaren Linie fängt das Hoheitsgebiet der Clanführer an, die mal nach religiösem Recht, dann wieder nach traditionellen Gegebenheiten, versuchen uralten Klöstern wie Mor Gabriel oder anderen sakralen Orten den Besitz streitig zu machen.

Nun liegt es an einer neuen Regierung, egal nun ob AKP, HDP oder CHP, den Beweis zu erbringen, dass ein friedlicher Konsens zwischen Religionen und Völkern in dieser Region möglich ist.

Wird dies in die Tat umgesetzt, hätte die sunnitisch – islamische Welt eine Blaupause, wenn es um den demokratischen Umgang mit anderen Völkern und Religionen geht.

Metropolit Timotheos Samuel Aktaş jedenfalls wird solange für sein Kloster und die Region einstehen, bis das Ziel der Gleichberechtigung unter den Völkern erreicht ist.

Hier, und nicht in Ankara, Izmir oder Istanbul, wird sich entscheiden, ob der Nato – Partnerstaat fit für die EU ist.

Simon Jacob, Tur Abdin

Videobericht folgt

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