Der Schlüssel zu dauerhaftem Frieden sind die Frauen

Land: Irak
Ort: Autonomieregion Kurdistan – Nordirak/Erbil
Datum: 05.12.2015

 

Nilifer Koc ist die Repräsentantin des Kurdischen Nationalkongresses (KNK) in Brüssel. In Erbil, der Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion Kurdistan traf ich sie zum Gespräch, um über die aktuelle Lage zu sprechen. Inhalt war die Situation der Minderheiten, aber im Besonderen die Rolle der Frau in der nahöstlichen Gesellschaft. Resultierend daraus bedeutet dauerhafter Frieden sich mir der Geschichte zu befassen, um mit sich im Reinen zu sein. Kriegerische Handlungen und aggressive Diplomatie sind das Produkt fehlenden weiblichen Einflusses. Dies war nicht immer so. In einer Zeit, im früheren Mesopotamien z.B., hatte die Frau eine höhere Stellung als zum jetzigen Zeitpunkt. Mythologische Figuren wie die sumerische Gottheit Inanna waren Ausdruck weiblicher Stärke.
Nach dem Verlust des Status als gleichwertiger Teil der Gesellschaft wurden Frauen zu den Unterdrücktesten der Unterdrückten. Gewalt richtet sich zuerst gegen diese, weil der männliche Teil der Gesellschaft, bedingt durch das Ehrempfinden dieser, gerade durch sie gebrochen werden sollte.
So ist es auch zu erklären, dass „Daesh“, der Islamische Staat, seine Gewalt in einer besonders brutalen Art und Weise gegen jene richtet, die sich am wenigsten verteidigen können und mit dem Namen der Gesellschaft, der nicht beschmutzt werden darf, gekoppelt ist.

„Eine Gesellschaft zu brechen ohne dass diese Widerstand leistet geschieht durch Gewalt an Frauen“, so Koc weiter.
Um Präventionsmaßnahmen zu ergreifen muss man die Rolle der Frau verändern. Die Veränderung muss aber von den Frauen selber aus dem Inneren heraus kommen.

Frauen sind in einer patriarchalischen Gesellschaft die Unterdrücktesten der Unterdrückten, so Koc. Diese Tatsache ist eng verwoben mit den Konflikten und der Brutalität mit der Organisationen wie der IS gegen den weiblichen Teil der Bevölkerung vorgeht. Der Urkonflikt begann mit der Ausgrenzung und der Diskriminierung der Frau im eigentlichen Sinne vor Jahrtausenden.

„Wir verlangen nicht vom Sklavenhalter uns die Freiheit zu geben. Die Freiheit liegt in unserem eigenen Interesse.“

Ebenfalls kommt zur Ansprache, dass die Situation der Frau, unabhängig von der Religion, gleich ist. Das Patriarchat, egal ob christlich, jesidisch, schiitisch oder sunnitisch geprägt, hat nur andere Formen. Die kurdische Frauenbewegung stellt seit 30 Jahren eine Gegenbewegung dar, die auf eine Befreiung der Frau vom Patriarchat abzielt.
Weiterhin kam zur Ansprache dass der Islamische Staat als Instrument dient, um die demographische Entwicklung in der Region zu verändern. Um dem entgegenzuwirken, physisch als auch psychisch, muss der weibliche Teil der Bevölkerung in die militärischen Interventionen eingebunden werden.
Männer und Frauen, beiden obliegt es, sich verteidigen zu können.

Die Beteiligung der Frau an der Verteidigung gibt dem IS die Botschaft – „Nicht mit uns“.
Dies muss sich aber auch in den politischen Strukturen wiederfinden. In Bezug auf die verschiedenen Ethnien in der Region. Unter Beteiligung beider Geschlechter in der Gesellschaft.

Als Beispiel zählt Frau Koc die neuen Entwicklungen in der teilautonomen Region „Rojava“, Syrien auf, was sich auch Westkurdistan nennt. Hier entstehen gerade experimentelle Strukturen, unter Beteiligung aller Akteure, welche als Blaupause für die Zukunft im nahöstlichen Raum dienen könnten.

Simon Jacob