Land: Iran
Ort: Teheran
Datum: 14.03.2016

Herr Nasser Ghassemi /Ein Kriegsveteran – Frieden für die Welt

Gemeinsam mit Fatemeh, unserer Begleitung und Betreuerin im Iran, treffen wir Herrn Nasser Ghassemi in einem grünen Park in einem Vorort Teherans.

Fatemeh hatte mich auf dieses Treffen bereits vorbereitet. Es ist nicht so, dass ich noch nie zuvor Kriegsveteranen oder Opfer des Krieges gesehen hatte. Doch die Unterhaltung mit diesem Menschen hat mir wieder vor Augen geführt, wie gefährlich im Besonderen Massenvernichtungswaffen sind. Im Speziellen chemische Waffen, die einfach nur noch verheerend sind. Hinterlassen sie doch Wunden, die einen Menschen ein Leben lang begleiten.

Aber nicht nur darüber berichtete mir Herr Ghassemi, ein Soldat, der an der Front des Iran – Irak Krieges sein Augenlicht verlor und die Schrecken des Krieges am eigenen Leib erfahren musste.

Kaum aus dem Fahrzeug ausgestiegen, nahm ich diesen Güte und Freundlichkeit ausstrahlenden Menschen an der Hand. Ich konnte einfach nicht anders. Wir gingen im Park einige Minuten spazieren und setzten uns dann auf eine Bank. Nach einer Weile erzählte er mir aus seinem Leben. Den Erfahrungen und das Wissen um das hässliche Gesicht des Krieges. Auch wenn er mich physisch nicht sehen konnte, war es für mich fast so, als ob er direkt in mein Herz, meine Seele und meine schlimmsten Empfindungen blicken konnte.

In sein Gesicht blickend, wohlwissend, dass er mich real nicht sehen konnte, verharrten wir für ein paar Sekunden in einer emotionalen Starre.

Herr Ghassemi unterbrach diese emotional behaftete Barriere mit den Worten:

„Wer Krieg nicht gesehen hat – weiß nicht was Frieden ist.“

Welche Schlagkraft, welche Brisanz und immense Bedeutung diese Worte haben kann nur jemand versstehen, der Krieg und Leid auch direkt erlebt hat.

Hocherfreut über Project Peacemaker und unsere damit verbundene Initiative, mahnte uns dieser alte und weise Kriegsveteran, den Frieden überall und mit jedem zu suchen der Willens ist, diesen auch zu respektieren. Und dies ohne Ausnahme. Unabhängig davon ob es um Syrien, die Türkei, die USA oder alle anderen Ländern dieser wunderschönen Erde geht.

„Frieden ist universell“, so seine abschließenden Worte, bevor er zu einem weiteren Termin mit dem Ölministerium als Regierungsmitarbeiter, der er ist, aufbrach.

Zurückgeblieben ist die Erkenntnis, dass wir mir „Project Peacemaker“ den richtigen Weg eingeschlagen haben.

Wenigstens zu Ehren aller Kriegsveteranen dieser Welt, die des Krieges müde sind.


Simon Jacob, Teheran, März 2016