Land: Iran
Ort: Isfahan
Datum: März 2016

Isfahan – Die Perle aus 1000 und einer Nacht

Als wir den Meidan – Platz in der Dämmerung der Nacht betreten, den zentralen Punkt der Stadt, war uns noch nicht bewusst, dass wir in eine Welt eintauchen, die an Schönheit, kultureller Vielfalt, verbunden mit geschichtsträchtigen Ereignissen, so nicht zu übertreffen ist.

Um es einfach mit einigen Worten zu beschreiben.

Isfahan ist  faszinierend und märchenhaft zugleich.

Während meiner Reisen in die Großstädte des Nahen Ostens haben mich viele Metropolen beeindruckt.

Istanbul mit seinen prachtvollen Brücken und der vielfältigen Kultur.

Beirut mit seinem franco – arabischen Charme.

Mit Kairo verbindet man kolossale Bauwerke.

Doch Isfahan überragt all diese Städte, wenn es um die Fusion verschiedenster Eigenschaften geht. Kultur und Religion,  Kunst und Kulinarisches, Architektur und Geschichte, Handel und Tourismus.

Aber wo liegt Isfahan?

Wo liegt nun diese Märchenstadt, die den Erzählungen aus 1000 und einer Nacht entsprungen sein könnte?

Isfahan zählt ca. eine Millionen Einwohner und liegt im südlichen Teil des Irans, in der gleichnamigen Provinz. Nahe des Flusses „Zayandeh Rud“ und nicht weit weg vom Zagros – Gebirge, eingebettet in einem fruchtbaren Tal.

„Isfahan ist die Hälfte der Welt“, sagt ein persisches Sprichwort. Und tatsächlich, wenn man sich die Geschichte dieser Perle Persiens ansieht, kann  man gut nachvollziehen, weshalb die Iraner stolz auf die Metropole am Zagros – Gebirge sind.

Einst war es die Herrscher – Dynastie der Safawiden, die 1598 Isfahan zur Hauptstadt ihres Reiches machte. Versehen mit zahlreichen Prachtbauten, Gartenanlagen und als Anziehungspunkt für Künstler, Philosophen und Intellektuelle aus der ganzen Welt.

Und dieser damit den Zauber verliehen haben, diesen Schimmer verschiedener Nuancen des Lichts, die uns in der Dämmerung der Nacht an unserer ersten Station einhüllten und in Gedanken, ja fast schon volltrunken träumerisch, das Gefühl gaben, in einer längst vergangenen Zeit zu sein.

Der Meidan – Zentrum der Stadt

Der Meidan e Emam, der zentrale Knotenpunkt Isfahans, gehört zu den größten Plätzen der Welt und heißt übersetzt so viel wie „Platz des Imams“.  1997 in die Liste des UNESCO – Welterbes aufgenommen, stellt die prächtige Moschee, die nach geometrischen Maßstäben erbaut wurde, den Hauptanziehungspunkt dar. Touristen haben zu dieser prächtigen Gebetsstätte, welche in ihrer Architektur auch Elemente anderer Religionen verbindet, jederzeit Zutritt. Interessant dabei ist, dass die Iraner hierbei überhaupt keine Berührungsängste haben. Ganz im Gegenteil. Sie sind stolz darauf, dass neben dem Islam andere religiöse Elemente den kulturellen Meisterwerken noch mehr Glanz verleihen. So verkörpern die vier Himmelsrichtungen des Gebetshauses die vier Elemente der Natur: Erde, Feuer, Wasser und Luft.

Auch die Anlage an sich, mit ihrem wunderschönen Basar und weiteren Prachtbauten, legt eine Symbolik an den Tag, welche durch den Einfluss verschiedener Kulturen und Religionen geprägt ist. Wer den Iran nicht kennt und nur aus der westlichen Sichtweise sich informativ mit dem Land beschäftigt, würde nie auf die Idee kommen, mit welcher Vielfalt und Offenheit gerade dieser Ort eine Toleranz gegenüber anderen Religionen und Kulturen an den Tag legt. Manifestiert in den prachtvollen Kunst- und Bauwerken, die einen nur noch sprachlos machen.

Si-O-Se Pol – Eine der schönsten Brücken der Welt

Die Si – O – Se Pol Brücke erstreckt sich über den Fluss Zayandeh Rud. Als wir die altehrwürdigen Säulen betrachten, Jugendliche spielen neben diesen im satten Grün des Flusses Fußball, schwärmt unser Führer, ein Vertreter der Handelskammer in Isfahan, fast schon träumerisch von der Schönheit und dem Anmut der Brücke.

1602 von den Safawiden erbaut, gilt sie als Meisterwerk jener Epoche, zu der der Islam auch sein „Goldenes Zeitalter“ hatte. Schah Abbas I. gab den Bau der Brücke in Auftrag. Ausgeführt wurde dieser durch seinen Kanzler – Allahverdi Khan Undiladze, dessen Wurzeln aus Georgien stammen.  Als Verbindungspunkt zwischen den berühmten „Vier Gärten“ und den königlichen Gärten sowie dem Armenienviertel in „Dschulfa“ sollte sie dienen. Heute ist die Brücke ein Symbol für die künstlerische und kulturelle Vielfalt der Stadt.

Als wir die Brücke betreten, werden wir von einer kühlen Brise umhüllt. In der Brücke selber, die Säulen fußen auf einem soliden Fundament, werden wir in den vielen kleinen Teehäusern zu einem Getränk eingeladen. Es ist wunderschön und faszinierend zugleich. Wenn man die Augen schließt, nimmt man fast schon den Geruch der Vergangenheit wahr und sieht Menschen vielfältiger ethnischer Abstammungen, die diese Brücke entlanglaufen. Immer im Bewusstsein, dass hier etwas hervorgebracht wurde, das Zeugnis über die Pracht und das künstlerische Schaffen der Menschen ablegt.

Ganz am Ende und am Anfang der Brücke befinden sich zwei Löwenstatuen, überzogen mit einer Metalllegierung. Beide Löwen blicken sich jeweils von der anderen Seite an.

„Ihre Augen leuchten in der Nacht, ohne Zutun jeglicher Technik, und bewachen die Bewohner der Stadt“, so der Vertreter der isfahaner Handelskammer, der uns die Ehre erwies, uns über die Brücke zu führen.

Ob dies stimmte, konnte ich leider aufgrund der knappen Zeit nicht mehr beurteilen.

Doch in meinen Gedanken ertappte ich mich dabei, wie ich im Schein der Dämmerung die Brücke betrete, mit einem traditionellen Tee in meiner Hand und mich die Augen der Löwen, funkelnd und wunderschön in ihrem Glanz, näher betrachten.

Religiöse Vielfalt

Neben Schiiten, Juden und Zoroastriern haben vor allem armenische Christen ein weitreichend traditionelles Leben in Isfahan. Zwischen 1603 und 1605 deportierte der Safawidenschah Abbas I. während des Kriegs gegen die Osmanen die armenische Bevölkerung der Stadt Dschufa in sein Reich.   Zentrum der Ansiedlung war die Stadt Isfahan, die bis heute durch die Kultur und die prachtvollen Bauten der Armenier geprägt ist. Ihre Religion haben sie erhalten und leben sie, im Schutze ihrer Gemeinschaft und staatlich gefördert, ohne Hindernisse aus.

Besonders faszinierend sind allerdings die Kirchenbauten, die in der Stadt zu finden sind. Hier wäre in erster Linie die Vank – Kathedrale zu nennen, deren Bau 1606 unter Aufsicht des Erzbischofs David begann. Das Faszinierende an diesem Bauwerk, welches immer wieder mir staatlicher Unterstützung restauriert wurde, ist die Vermischung verschiedener Baustile zu einer Einheit. Die Kuppel ähnelt eher der Form einer Moschee und Isfahaner Architekten, muslimische Schiiten,  waren am Design beteiligt. Die Gemälde im Inneren des Gebetshauses sind das Werk christlich – holländischer Künstler. Die wunderschönen Mosaike und Fliesen, welche den Innenraum verzieren, sind das Werk iranischer Künstler, die ihren Beitrag zur religiösen Verständigung und Toleranz geleistet haben.

Worte können nicht die Faszination zum Ausdruck bringen, welche dieses Gebäude ausstrahlt.

In Gedanken versunken wünsche ich mir, dass doch die ganze Welt an dieser beispielhaften Symbiose zwischen Christentun und Islam teilhaben könnte. Immer mit Blick auf meine Reisen in die Krisenregionen dieser Welt, wo der sunnitisch geprägte Islamische Staat solche Kunstwerke, sofern er in die Nähe dieser kommt, sofort zerstören würde.

Die Kunst der kleinsten Kunst

Wenn Künstler es geschafft haben die Miniaturisierung des Zeichnens, des Malens, des Philosophierens auf ein hohes Niveau zu heben, dann die Kunstschaffenden aus Isfahan. Sie sind Meister ihrer Zunft in unendlicher Generation. Wenn man ihnen zusieht mit welcher Fingerfertigkeit sie ihren filigranen Werken nachgehen, kleinste Bildnisse mit nichts weiter als einer Feder auf ein Stück Papier abbilden, muss man unwillkürlich an Magie denken. Mit Geduld und viel, sehr viel Geschick, zeigt uns der Meister, nicht verlegen seine Werke mit Gedichte vergleichend, was Kunst für ihn bedeutet.

Kunst bringt Leben zum Ausdruck. Verbunden in der Vielfalt der Schönheit.

„Wenn man Kunst schafft, schafft man Frieden“, so der Künstler.

Und Kunst macht Isfahan aus. Mit seinen vielen berühmten Philosophen und Kreativen, die hier ihren künstlerischen Abdruck hinterlassen haben und noch hinterlassen werden.

Als ich ein Bild betrachte, anlehnend an ein romantisches Liebesgedicht, welches ich für eine Freundin in Deutschland gekauft habe, komme ich nicht umher, an die Kunst der Magie zu glauben.

Musik und Kulinarisches

Musik und Kulinarisches gehören zusammen, so der Eindruck, den uns die Einwohner Isfahans vermittelten. Wir besuchten mit unserer Touristenführerin ein in der alten Innenstadt gelegenes Restaurant, welches einen imposanten und traditionellen Innenraum bot. Köstlich war die Auswahl der Speisen. Erhaben die Architektur und Innenausstattung der Räumlichkeiten, in denen wir speisen durften. Doch am faszinierendsten waren die persisch – melancholisch anmutenden Klänge, welche wir bei der Übereichung unserer Speisen vernahmen.

Auch hier tat sich die Magie dieser wunderbaren Stadt auf als wir erleben durften, was es heißt, die Fusion zwischen musikalischer Darbietung aus dem persischen Raum und dem Genuss regionaler Speisen zu erleben.

Nicht nur der Gaumen erfreute sich dieser Darbietung. Es waren vor allem die Sinne, welche es nicht vermochten zu jeder Sekunde und Minute die Eindrücke dieser vielen Farben und Klänge zu vernehmen, die einem beinahe, im freudigen Sinne, den Verstand raubten.

Das Ende einer Etappe

Das Ende unseres kurzen Aufenthaltes in Isfahan war auch das Ende einer meiner Etappen. Worte können nicht die Gefühle beschreiben, die ich zum Ausdruck bringen möchte, als ich diese Stadt erblickte. Tage, Wochen, ja sogar Monate würden nicht ausreichen, um die Schönheit und Vielfalt dieser Stadt zu entdecken.

So bleibt mir nichts anders übrig, als den Lesern einen kleinen Ausblick dessen zu vermitteln, was von einem Teil meines Herzens Besitz ergriffen hat.

„Isfahan, schön bist Du und schön bleibst Du in meinem Herzen“, möchte ich am liebsten sagen.

Und kann jedem Touristen, den es in den Iran zieht, nur empfehlen, die Perle dieses Landes, die diese Stadt nun einmal ist, fest in die Reiseroute einzuplanen.

Simon Jacob, München, 20. Juli 2016