Liebe Freunde, liebe Mitmenschen, es ist manchmal sehr einfach, von Weitem, in fern von Krieg und leid, in der Sicherheit der eigenen vier Wänden, sich ein Urteil zu fällen.
Es fällt dann vielen nicht schwer, besonders in den sozialen Medien, Thesen, Behauptungen aufzustellen, ohne jeglichen faktischen Beweis, die dann in Hetze, Hass, Wut und Aggression enden.
Letzten Endes führt dies sogar zum Verlust von Leben. Menschen streben durch falsche Annahmen, falsche Tatsachen oder einfach wegen eines Mobs, der seiner Wut freien Lauf lässt.

„Israel ist an allem Schuld, die USA sind der Teufel, der Iran ist das abgrundtief Böse, alle Palästinenser sind nur auf Krieg aus, alle Muslime sind Terroristen, alle Christen sind Kreuzritter, Affen und Schwein, alle Atheisten kommen in die Hölle……..“

Liebe Freunde, deswegen sollten wir Menschen, im persönlichen Gespräch, zuhören.
Und deswegen bitte ich Euch den folgenden Artikel zu verinnerlichen.

Dieser kommt aus dem Herzen.

Simon

Land: Deutschland
Ort: München
Artikel: Make Falafel – Not War
Datum: 23.12.2016

Make Falafel – Not War – „Einfach in Frieden leben“

Zufälle prägen manchmal mal das Leben.
Ob die Entwicklung an jenem kalten Dezembertag in München ein Zufall war, vermag nur das kosmische Schicksal zu erahnen. Doch was ich definitiv sagen kann ist, dass die Begegnung an diesem Tag mit einem Deutschpalästinenser, in Syrien auf die Welt gekommen, inklusive seiner köstlich schmeckenden Falafel, ein Lächeln auf mein Gesicht zauberte.
Genervt von anderen Dingen und gedanklich bei meinem kleinen und großen Problemen des Alltags, entdeckte ich zufällig, eine Straße entlanglaufend, einen interessant anmutenden Schnellimbiss neben mir. Es war gar nicht die Tatsache, dass dieses Lokal arabische Gerichte anbot. Davon gibt es zahlreiche in München. Sondern eher der Name des Geschäftes, welches einem ins Auge stach.

„Make Falafel – Not War“, heißt der Laden. Ungläubig blickte ich nun durch das Ladenfenster und die Neugierde packte mich.

„Wie kommt jemand auf die Idee einen Falafel – Laden so zu benennen ?“,
fragte ich mich.
Die einzige Möglichkeit dies in Erfahrung zu bringen bestand darin, den Inhaber persönlich zu fragen.

Als ich die Türe betrat, blickte mich zunächst ein beschäftigter Mann an, auf eine Ladung Brot wartend, wie er mir später mitteilte, der mit meiner Frage nach dem Sinn des Namens konfrontiert, zunächst zurückhaltend reagierte. Scheinbar war ich nicht der Erste der Saleh, ein Endvierziger mit syrische – palästinensischen Wurzeln, diese Frage stellte.
„Weshalb ich das wissen möchte“, war seine mit einem tiefen Stirnrunzeln quittierte Gegenfrage.
Ich stellte mich als Journalist vor der erstens Hunger hatte und zweitens einfach neugierig war. Saleh meinte, er könne meinen Hunger befriedigen, doch müsste ich zunächst auf frisches Brot warten. Er hätte nur noch zwei Fladen da, die für zwei Stammkunden reserviert wären. Ich entgegnete Saleh, dass ich warten könnte und setzte mich geduldig in eine gemütliche Ecke des hübsch und einladend eingerichteten Ladens.
Kurze Zeit später traten dann auch die zwei Stammkunden ein. Arabisch aussehende Herren, mit längeren Bärten, die mich sofort misstrauisch ins Visier nahmen. Einer der Herren kam auf mich zu und fragte in einem klaren Deutsch, woher ich kommen würde.
Auch ihm gegenüber erwähnte ich, dass ich Journalist bin und den Nahen Osten intensiv bereist habe. Seinen Worten folgend konnte ich heraushören, dass er Sunnit ist und hier seine Brotzeit abholen möchte. Nachdem dieser durch das Gespräch mit mir scheinbar der Ansicht war, dass ich über Erfahrungswerte verfüge, fragte er mich etwas, was ich so zunächst nicht vermutet hätte.

„Kannst Du uns als Journalist sagen, warum sich Schiiten und Sunniten im Nahen Osten bekriegen ? „
Ich muss zugeben, dass ich überrascht war, dass ein Muslim gerade mir, dem orientalischen Christen, diese Frage stellt. Ich tat mein Bestes, um ihm in der kurzen Zeit die geopolitische Situation, mit all ihren regionalen Akteuren, näher zu erläutern.
Für einige Sekunden fixierte er mich genauer, dachte nach und bat mich, meine Arbeit weiterzuführen. „Das was Du tust ist wichtig, um Aufklärung zu betreiben „ , so der Stammgast des Lokals. Mit einem kräftigen Händedruck und einem ehrlich gemeinten Lächeln verabschiedete er sich von mir.

Nun war es an Saleh mit mir das Gespräch zu suchen, nachdem er Vertrauen aufgebaut hatte.
„Weißt Du, es kommen viele Journalisten hier rein“, so seine erster Satz. Viele dieser Journalisten hätte er rausgeworfen, weil sie ihn in eine Ecke drängen wollten.
„Bist mit oder für Assad.“
„Gegen oder mit Israel.“
„ Eher für Sunniten oder Schiiten.“

Kunden aus Israel, die zunächst den Laden wieder verlassen wollten, als sie erfuhren dass er palästinensische Wurzeln hat, entgegnete er:

„Hier gibt es nur Falafel und Frieden, alles andere gehört hier nicht hin.“
Usw…….

Saleh mag solche Fragen nicht.
„Wir haben doch nichts mit all dem zu tun ! Warum kann man nicht einfach in Frieden leben.“

Als er mich dies in einem ernsten Ton fragte, blickte er in meine Augen. Saleh wollte meine Reaktion dazu sehen. Sie vielleicht ergründen und eine Antwort in meinen Gedanken, all meinen Erfahrungen, finden.

„Ich weiß es nicht Saleh“, konnte ich nur entgegen. Und als ich dies tat, wusste ich, dass dieser Mensch, der so viel Leid und Enttäuschungen erfahren hat, diesen Gedanken auch für sich lebt und verinnerlicht hat.

„Einfach in Frieden leben „ flüsterte er leise.

Die Worte entsprangen seinen Lippen eher in einem von Trauer anmutenden Ton und vielleicht mehr für den Familienvater selber gedacht, bevor er seinen Blick durch das Schaufenster hinaus richtete und sich dann wieder an die Zubereitung der Speisen machte.

Gerne hätte ich ihm in diesem Moment gesagt:
„Du bist die Antwort ! Sieh her, Du lebst es vor.“

Saleh ist mit einer Deutschen verheiratet, seine Kinder gehen in einen deutschen Kindergarten. „Ein Segen“, wie er betont.
Der Imbissbetreiber kennt alle Seiten des Lebens.
Krieg ,Verfolgung, Unterdrückung, Staatenlosigkeit. Mehrere Jahre lebte er in Ostdeutschland, wo es mehr Rechtsradikale als im Westen gibt, so seine Aussage.
In Syrien wurde er, der Sohn palästinensischer Flüchtlinge, nur geduldet. Einen Pass wollte man ihm nicht geben.
Man sieht ihm an, dass er genug von all dem hat.
Schia gegen Sunna, Muslime gegen Christen, Israel gegen Palästinenser, Türken gegen Kurden, ……

Er will einfach nicht mehr. Und er schmeißt jeden aus seinem Laden raus, egal an was er nun glauben möge oder nicht glauben möge, der mit solchen Dingen beginnt. Ich habe keinen Zweifel daran, dass er dies auch bereits getan hat.

In der Zwischenzeit ist auch mein Falafelteller fertig. Frisches Brot liegt in einer Schüssel neben dem Teller. Auch ohne den Gastgeber zu fragen weiß ich, dass er, nachdem er den vorherigen Gästen die Situation erklärt hat, einen der zwei verbliebenen Brotfladen mir überlassen hat.

„Iss meine Falafel, genieße sie, lass uns an Frieden denken und all die Menschen, die nichts zum Essen haben. Egal wo auf der Welt“, so zusammengefasst seine Aussagen.

Auch wenn ich an diesem Tag schlechte Laune hatte, so verbesserte sich diese massiv, als mich Saleh mit einem Lächeln und festen Händedruck vor der Türe des Ladens verabschiedete.

Als ob er mir eben, gemäß seines Slogans, sagen wollte:

„Eat Falafel – Make not war.“

Simon Jacob, München, den 23. Dezember 2016

Hier kann man Salahs Falafel – Laden finden.
„Make Falafel – Not War“
Kapuzinerstr. 2, 80337 München
Facebook: facebook.de/MAKE Falafel NOT WAR