Ort: Iran/Urmiah
Themenbereich: Gesellschaft und Umwelt
Datum: März 2016

Melkis und Gülbahars Baum

Im Leben begegnet man manchmal Menschen, die mit einem ein Stück des Weges gehen. Ein Stück des Lebens könnte man sagen. Einen Pfad, voller Erkenntnisse und schicksalhafter Begegnungen. Man teilt die gleichen Erfahrungen. Das gesehene Leid. Aber auch die Freude.

Um es kurz zu fassen, solche Begleiter wachsen einem Menschen ans Herz.

Melki und Gülbahar Özdemir aus Augsburg begleiteten mich fast die gesamte Peacemaker  – Tour entlang. Mit Ausnahme von Syrien und dem Irak, waren sie überall dabei.

„Was geht ihr mit diesem Verrückten“, wurden sie kritisiert. Und das nicht von wenigen. Und doch waren sie stets an meiner Seite. Die vielen, vielen Orte besuchten wir gemeinsam.

Da waren wir nun. Die „drei Verrückten.“

Während wir die Türkei neu ergründeten, mit ihrer prachtvollen Geschichte, Georgien für uns entdeckten, gemeinsam mit Elena, die extra aus Russland zu uns kam, oder Armenien mit Zare, die die erste Präsidentin Armeniens werden möchte. Es sind wunderbare Momente, die uns alle verbinden. Was haben wir nicht gelacht, als ich von Melki und Vater Tevion in der Türkei auf die Schippe genommen wurde. Was habe ich gefroren, als ich mit Melki gemeinsam im kalten Armenien ein Bett teilte. Als Sohn, kleiner Bruder habe ich mich gefühlt, wenn Gülbahar immer darauf achtete, dass ich auch Essen zu mir nahm.

Und wie schön war erst der Iran mit ihnen und Dawood, Fatheme und Mike, die uns auch in dieses wunderschöne Land begleiteten. Gemeinsam waren wir glücklich und wir, die „drei“ Verrückten, freuten uns darüber, Neues zu entdecken. Gülbahar war unsere Bank und musste in ihrer Tasche immer den Stapel Geldscheine verstauen, die wir gegen harte Euros in die gängige Landeswährung eintauschten. Es hat wirklich Spaß gemacht.

Doch die letzten Tage im Norden des Landes, in Urmiah, brachten mich auch zum Nachdenken. Es war Baumfest an diesem Tag. Ein Tag, an dem im Iran überall Bäume gepflanzt werden. Zu Ehren dieses Tages, des Tag des Baumes, fand in einer der vielen Kirchen Urmiahs eine Messe statt, die übrigens auch von vielen Muslimen besucht wurde. Es war interessant zu sehen, wie wenig Berührungsängste schiitische Muslime mit dem Christentum im Iran haben. Als die Messe vorbei war, kündigte der dafür extra angereiste Gouverneur die Pflanzung mehrere junger Bäume an.

Nun kam die Überraschung.

Gülbahar und Melki wurden auserwählt, einen der neuen Jungbäume einzupflanzen.

Sichtlich berührt beobachtete ich, wie beide, gemeinsam die Schaufel haltend, dem Bäumchen dazu verhalfen, eine neue Heimat zu finden.

Vor kurzem unterhielt ich mich mit Melki.

Dieser sagte zu mir:

„Simon, wir dürfen unseren Baum im Iran nicht vergessen. Wir müssen ihn besuchen.“

Ich, in meinem Innersten:

„Gott, bessere Begleiter für meine lange Reise hättest Du mir nicht mitgeben können.“

Gülbahar, Melki, vielen Dank, dass ihr an mich geglaubt habt.

Euer Baum ist der „Peacemaker – Baum“

Wir werden ihn nicht vergessen und zurückkehren.

Simon Jacob, München, 03. Oktober 2016