Stadln, der Ort den es nicht mehr gibt, ist nicht der einzige, der in den ehemals deutsch besiedelten Gebieten der Böhmischen Länder nach Ende des zweiten Weltkrieges der Vernichtung zum Opfer fiel. Bereits 1614 urkundlich erwähnt, wurden die letzten deutschen Bewohner des einstmals blühenden Dorfes 1946 von den Tschechen vertrieben und das Gebiet vom tschechischen Militär als Übungsplatz genutzt, bis kein Stein mehr auf dem anderen stand. Heute ist von dem Ort so gut wie nichts mehr zu sehen und nur noch eine Gedenktafel erinnert an ihn.

Aber Erinnerung braucht etwas, das man in die Hand nehmen und anschauen kann, damit sich die Erinnerung manifestiert, so Frau Dr. Zuzana Finger, Heimatpflegerin der Sudetendeutschen. Umso wichtiger sei es, dass noch ca. 60 Bilder von Stadln zusammengetragen werden und der Ort so dem drohenden Vergessen entrissen werden konnte.

Wie wichtig es ist diesem Vergessen entgegenzuwirken, verdeutlichte noch einmal der bayerische Landtagsabgeordnete und Sprecher der SPD-Landtagsfraktion für Heimatvertriebene und Aussiedler, Volkmar Halbleib. Die Sudetendeutschen spielten eine wichtige Rolle, wenn es um den Erhalt von geschichtlichen Erfahrungen und das kollektive Gedächtnis geht. Denn unter dem Verschwinden und Verdrängen leiden nicht nur die vertriebenen Deutschen, einhergehend ist auch der Verlust eines Teils der Geschichte auf tschechischer Seite. Das Eingeständnis des Verlorenen auf beiden Seiten und die Trauer befreiten und machten erst den Weg frei für Versöhnungsarbeit, so Halbleib.

Wie Aufarbeiten und der Umgang mit dem Verlorenen aussehen kann, zeigte die Zeitzeugin und Mitinitiatorin der Ausstellung, Elfriede Endl mit bewegenden Worten und Einblicken in ihre anfangs sorglose Kindheit, die Vertreibung und das endgültige Ankommen in Bayern. Besonders ergreifend waren die Schilderungen von ihrer ersten Rückkehr an den Ort, der einstmals ihre Heimat war und von dem nichts mehr übrig ist. Sogar die Kirche von Gutwasser war eine Ruine und wurde als Stall genutzt, so Endl. Dank des Fördervereins von Hans Zettl, dem zweiten Initiator der Wanderausstellung, konnte diese renoviert werden und wird seit 1995 wieder als Gotteshaus genutzt.

Von Stadln bleiben jedoch nur die Bilder und die Erinnerungen der letzten Zeitzeugen.
Diese Erinnerungen zu bewahren, muss ein Anliegen für uns alle sein. Denn nur wer die Erinnerungen aufrecht erhält und die Geschichte aufarbeitet, kann die Fehler der Vergangenheit für die Zukunft vermeiden.

Wir bedanken uns bei der Heimatpflegerin der Sudetendeutschen Frau Dr. Zuzana Finger sehr herzlich für die Einladung. Es war mir persönlich eine große Freude, als Mitglied der Sudetendeutschen Landsmannschaft, den Zentralrat bei der Veranstaltung vertreten zu dürfen und Impulse für die Tschechien-Etappe von Project Peacemaker zu sammeln.

Daniela Hofmann
Vorsitzende

Die Wanderausstellung ist noch bis zum 28.April in den Räumen des Sudetendeutschen Hauses, Hochstraße 8 in München zu besichtigen.