Land: Deutschland
Ort: Köln/Joseph-Höffner-Gesellschaft
Datum: 16.10.2016

„Stirbt das Christentum im Nahen Osten aus?“,

so lautete der Titel meines Vortrages bei der Joseph-Höffner-Gesellschaft. Und im Regelfall, nach gefühlt unzähligen Vorträgen in diesem Jahr, gehalten an Universitäten, bei Akademien und Stiftungen, würde ich auch in diesem Vortrag dazu übergehen, den Inhalt meiner Erfahrungen wiederzugeben.

Doch dann entschied ich mich anders.

Ich traf den Entschluss, nach einem persönlichen Brief des Vorsitzenden der Gesellschaft – Professor Dr. Dr. h. c. Lothar Roos –, der mich sehr bewegte, ein paar Zeilen über den Namensgeber der Gesellschaft zu verfassen.

Ich muss zugeben, dass ich weder im Geschichtsunterricht von Joseph Höffner gehört hatte, noch in irgendeiner anderen Form jemals von diesem mutigen Geistlichen etwas las. Und gerade deswegen war es mir, nach Recherchen und als mir bewusst wurde welche Taten dieser Mensch vollbracht hat, ein Anliegen, als Akt der Menschlichkeit und Beispiel für uns alle, mehr über diesen zu berichten.

Joseph Höffner erblickte am 24. Dezember 1906 das Licht der Welt, im katholisch geprägten Teil des Landkreises Altenkirchen. Nach dem Besuch des Kaiser Wilhelm – Gymnasiums und der weiteren schulischen Ausbildung, zog es ihn als jungen Mann nach Rom, wo er zum Priester geweiht wurde. Gewiss waren seine theologischen Leistungen prägend für die katholische Kirche in Deutschland.

Doch eine besondere Bedeutung kommt dem zu, was er und seine Schwester während der Nazidiktatur und den Wirren des zweiten Weltkrieges, im Namen der Menschlichkeit und Gefahr laufend, zur Rechenschaft gezogen zu werden, an den Tag legten.

Höffner und seine Schwester, Lena Hessler, hatten 1943, als der junge Geistliches noch den Status eines katholischen Pfarrers innehatte, jüdische Mädchen vor dem menschenverachtenden Regime der Nationalsozialisten versteckt. Die Schwester schützte, auf Bitten des Bruders, eine jüdisches Ehepaar in der eigenen Wohnung.

Für die Rettung jüdischen Lebens wurde den Geschwistern am 31. Oktober 2003 durch die israelische Gedenkstätte Yad Vashem postum der Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ verliehen.

Viele Auszeichnungen gab es zuvor und es würde den Rahmen des Artikels sprengen, sollte ich das weitere Handeln dieses außergewöhnlichen Menschen in Worte fassen.

Deswegen belasse ich es bei diesem einen Akt christlichen Handelns, welcher in seinem Ausmaß das widerspeigelt, was eine Gesellschaft ausmachen sollte.

Nämlich Menschlichkeit.

In Zeiten von Kriegen, Flüchtlingswellen und immensen geopolitischen Umbrüchen ein Andenken, an das wir uns alle erinnern sollten.

Im persönlichen Schreiben des Vorsitzenden an mich wurde mir fast schon entschuldigend erklärt, dass man aufgrund der Größe der Gesellschaft unserem Verein „Project Peacemaker e.V.“ nur eine kleine Spendensumme zukommen lassen konnte.

Offen gesagt habe ich dies nicht im Geringsten als klein empfunden. Unabhängig davon welche finanzielle Unterstützung unser Projekt erfahren hat, so war es eher die Ehre und das Privileg, mehr über diesen besonderen Menschen erfahren zu dürfen, welches für mich und alle Leser einen immensen Wert hat.

In diesem Zusammenhang möchte ich mich noch einmal recht herzlich beim Vorsitzenden der Joseph-Höffner-Gesellschaft, Professor Dr. Dr. h. c. Lothar Roos für die einmalige Chance bedanken, im Zusammenhang mit dem Namensgeber dieser wichtigen Organisation einen Vortrag zu den heutigen Problemen unserer Welt gehalten haben zu dürfen.

Simon Jacob, Köln, 16. Oktober 2016