Bei der Ackermann-Gemeinde: „Kulturwochenende – Zusammenleben von Christen und Muslimen“

„Als eine Gemeinschaft in der katholischen Kirche gestalten wir die deutsch-tschechisch-slowakische Nachbarschaft und engagieren uns aus christlicher Verantwortung für Europa.“

So steht es auf der Webseite der Ackermann-Gemeinde, die sich dem Humanismus im christlichen Sinne verschrieben hat und den Dialog als Werkzeug nutzt. In diesem Zusammenhang, wichtige nahöstliche Themen der heutigen Zeit betreffend, wurde ich als Referent zu einem Kulturwochenende auf das wunderschöne Anwesen der Benediktinerschwestern in Bernried am Starnberger See eingeladen. Themenschwerpunkt war das Zusammenleben zwischen Christen und Muslimen in Europa und im nahöstlichen Raum.

Die weiteren Referenten zu diesem hochaktuellen Thema waren:

a) Dr. Andreas Renz – „Wie Christen und Muslime zusammenleben können“

b) Pfarrer Jürgen Ritelen – „Gottsucher und Glaubenszeuge in der Islamischen Welt“

c) Dr. Katerina Kavackova – „Aus Widerstreit von Christentum mit Islam entstanden – Jakobsweg“

Bedingt durch die vielen Reisen der letzten Jahre, unzähligen Artikeln, Vorträgen und medialen Aktivitäten, kam mir als Hauptreferent die Aufgabe zu, zunächst an einem Abend über die Strukturen nahöstlicher Kirchen zu berichten. Um dann am folgenden Tag, nach der faktenorientierten und historisch geprägten Vorbereitung, auf das Thema Menschenrechte und Minderheiten einzugehen. Der zweite Teil meines Vortrages nahm nicht nur den gesamten Samstag ein, mit mehreren Pausen dazwischen, sondern wurde auch noch um die Themen

– Frauenrechte/Clanstrukturen im Nahen Osten

– Iran – Schiitentum und Christen

erweitert.

Das große Interesse ließ nichts anderes zu und vermittelte mir das Gefühl, dass der Informationsbedarf eigentlich noch viel größer ist. Überhaupt war das Publikum, 50 plus, extrem aufmerksam und dazu geneigt, immer wieder auch genauer nachzufragen. Vielfach wurde die ungenügende Berichterstattung durch die Medien in Europa und die damit einhergehende Fehlinterpretation vieler Gegebenheiten kritisiert. Daran anknüpfend versuchte ich natürlich die Fragen zu beantworten, basierend auf meine Erfahrungen vor Ort und sofern ich dazu imstande war.
Die intensive Konzentration, die die älteren Zuhörer an den Tag legten, hat mich beeindruckt.

Doch hätte ich mir ebenfalls gewünscht, dass gerade junge Menschen auch vom Wissen dieses älteren Publikums hätten profitieren können.

An diesen zwei Tagen, die ich mit den Damen und Herren verbringen durfte, wurde mir klar, dass ich es hier kompakt mit vielen 100 Jahren an Erfahrung und Wissen zu tun habe.

Viele der Anwesenden berichteten mir von ihrer Kindheit, beispielsweise im Sudetenland und als sie vertrieben wurden.

In ihren Gesichtern konnte ich sehen, dass meine Vorträge und Vor-Ort-Berichte sie zutiefst berührten.

Das war wirklich eine sehr beeindruckende Erfahrung.

Es wäre mehr als schade, wenn die heutige junge Generation nicht davon profitieren würde.

Von diesen Menschen zu lernen bedeutet, die Zukunft zu gestalten.

All die, die heute ihrem Smartphone mehr Respekt zollen als der Generation der Großeltern, sollten sich schämen.

Simon Jacob, 14. Februar 2017, München