Project Peacemaker – aktuelle Situation im Nahen Osten

Noch sichtlich beeindruckt von den Bildern seiner Reise in den Irak, von der er erst kurz zuvor zurückgekommen war, referierte Simon Jacob beim Rotary Club Starnberg über die Peacemaker-Tour und die aktuelle Situation im Nordirak.

Ihren Anfang nahm die Tour Ende September 2015 in der Türkei. Von Istanbul aus ging es die Ägäisküste entlang in den Süden Richtung Antakya, bevor er im Südosten der Türkei seine frühere Heimat, den Tur Abdin, besuchte. Unterwegs führte er nicht nur Interviews mit Geistlichen, Geschäftsleuten oder dem Menschenrechtsanwalt Haydar Siginak. Er beobachtete auch die Parlamentswahlen vor Ort und informierte sich bei Politikern der verschiedenen Parteien. Auch wenn die Wahlen an sich frei waren, so sei doch eine von Angst geprägte, angespannte Stimmung festzustellen gewesen, so Jacob und viele, auch christliche Vertreter, hätten genau aus diesem Grund Erdogan gewählt. Durch das aufoktroyierte Gefühl nur noch von Feinden umgeben zu sein, hätte sich die Mehrheit der Bevölkerung eine starke Persönlichkeit an der Spitze des Staates gewünscht. Die Folgen daraus, seien abzusehen gewesen.

Das Hauptaugenmerk in diesem Vortrag galt jedoch der Situation der Christen und Jeziden in Nordsyrien und dem Nordirak. „Wie ein Wandler zwischen den Welten“, so fühle er sich gerade, erklärte Simon Jacob. Auf der einen Seite noch die frischen Bilder aus dem Norden des Irak vor Augen, auf der anderen Seite der prächtige Saal, in dem er den Vortrag halten dürfe. Rund ein Jahr zuvor war er ebenfalls im Nordirak gewesen. Bei den Bildern der zerstörten Stadt Sindschar fühlten sich viele an die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Städte in Deutschland erinnert und man konnte förmlich spüren, wie gerade die ältere Generation angesichts der Dokumentation über die Massengräber der Jeziden mit der Fassung rang. Doch sein kürzlich erfolgter Besuch in den vom IS befreiten Gebieten, habe ihm eine noch weitaus größere Gefahr aufgezeigt: die vom IS indoktrinierten Kinder, die jetzt mit deren Ideologie heranwachsen und die potentiellen Attentäter von morgen sind. Dies zu verhindern sei eine immense Aufgabe, der sich ganz Europa bewusst werden und annehmen müsse.

Daniela Hofmann