Zaide ist ein rudimentäres Singspiel in zwei Aufzügen von Wolfgang Amadeus Mozart, welches viel Raum für Eigeninterpretationen lässt. Diesen nutzten das Deutsche Forum für Musik und Theaterkultur e.V., der Verein Zuflucht e.V. und eine Studentengruppe des Bereichs Kunstwissenschaften der LMU München und entwickelten ein Musiktheaterprojekt, das mit geflüchteten Musikern, Tänzern und Schauspielern aus Afghanistan, Pakistan, Nigeria, Syrien, dem Irak und dem Iran gestaltet wurde: ZAIDE – EINE FLUCHT. Mit dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen der Darsteller wurde die Geschichte von Zaide und ihrem Geliebten Gomatz neu erzählt. Die Flucht vor Krieg und Gewalt sowie das Unbekannte in der Fremde wird aus verschiedenen Perspektiven betrachtet und mit der Musik Mozarts zum Leben erweckt.

Innerhalb des viertägigen Programmes wurde ein Tag einem „get-togehter“ gewidmet. Hier konnten sich die Münchner mit dem Projektteam, verschiedenen Vereinen und Organisationen die sich auf verschiedenster Weise für Flüchtlinge einsetzen und Geflüchteten treffen, die gemeinsam ein buntes Rahmenprogramm auf die Beine gestellt hatten. Die Begrüßung erfolgte durch einen humorvollen, manchmal in Richtung Politik leicht bissigen Vortrag von Max Uthoff, bekannt durch „Die Anstalt“, einem Satire-Format im Fernsehen. Project Peacemaker e.V. nutzte die Gelegenheit und war sowohl durch einen Informationsstand als auch durch einen Vortrag von Simon Jacob, Vorstandsmitglied von Project Peacemaker e.V., vertreten. Gerade für viele Flüchtlinge, die schon seit einiger Zeit in Deutschland leben, kam das Thema über die aktuelle Situation in Nordsyrien und Nordirak unerwartet, fand aber ein dennoch ein großes positives Echo, wie die vielen Fragen im Anschluss zeigten.

Ein ganz besonderes Highlight war für mich das Treffen und das ausführliche Gespräch mit Ahmad Shakib Pouya, dem Hauptdarsteller aus Zaide, der trotz seiner hervorragenden Integration wenige Tage später nach Afghanistan „freiwillig“ ausreisen musste, um einer erzwungenen Abschiebung zuvorzukommen. Der 33-Jährige war 2008 aus seinem Heimatland geflüchtet und nach einer zweijährigen Odyssee in Deutschland gelandet. Pouya galt als „Vorzeige-Flüchtling“ was die Integration angeht. Er arbeitete für die IG-Metall in Frankfurt in der Flüchtlingsberatung und stand bei den Opernprojekten des Vereins „Zuflucht Kultur“ auf der Bühne. Durch seine kritische Haltung und verbalen Angriffe auf die Taliban, ist er nicht erst seit seinem Aufenthalt in Deutschland in deren Visier geraten. Sein Vater starb durch einen Angriff der Extremisten. Aktuell lebt er mit finanzieller Unterstützung von Gönnern aus Deutschland versteckt in Kabul und wartet auf die Bearbeitung seines Visaantrags. Sein Ziel ist es, auf legalem Weg wieder nach Deutschland einzureisen und eine erneute Flucht zu vermeiden.

Mein ganz besonderer Dank gilt Cornelia Lanz (Verein Zuflucht Kultur e.V.). Albert Ginthör (Geiger am Staatstheater am Gärtnerplatz), Dana Pflüger, Nicola Steller und Marie-Lena Feig, die uns die Teilnahme ermöglicht haben.

Daniela Hofmann