Format: Text
Land: Deutschland
Thema: Politik, Frauenrechte
Sprache: Deutsch
Autor: Daniela Hofmann
Ort: München, Deutschland
Kategorie: Artikel
Rubrik: Frauenrechte, Politik
Datum: 03.11.2015
Textdauer: ca. 10 Min.
Sprache: Deutsch
Titel: Warum die (gefühlte) Sicherheit für Frauen nachlässt – Eine Analyse
 

 

Warum die (gefühlte) Sicherheit für Frauen nachlässt - Eine Analyse

 

Wieder einmal wird eine junge Frau in Deutschland vergewaltigt. Ein schreckliches Verbrechen, das mit äußerster Härte bestraft werden muss. Täter: nicht nur einer, sondern lt. Medienangaben bis zu 15 Männer, größtenteils Geflüchtete bzw. Deutscher mit Migrationshintergrund. Nicht allein die Tat macht fassungslos, sondern auch, wie manche Politiker diese Tat instrumentalisieren und versuchen, das für ihre eigenen Ideologien auszuschlachten – und zwar unabhängig davon, welcher Partei sie angehören. Eine Demonstration „gegen sexuelle Gewalt“ in einem Atemzug mit „gegen rechts“ wird der Sache nicht gerecht und zeugt meiner Meinung nach davon, dass man nicht gewillt ist, sich ernsthaft mit den Ursachen auseinanderzusetzen. Denn dieses Verbrechen hat mitnichten etwas mit Rechts oder Links zu tun, sondern mit patriarchalischen Strukturen und einem Frauenbild, in dem der Frau an sich nicht viel Wert beigemessen wird.

 

Ein Rückblick

 

In Europa setzte mit der französischen Revolution auch eine Frauenbewegung ein, die im Laufe der Jahre viel in Sachen Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau, nicht nur vor dem Gesetz, erreicht hat. Das Bild von der Hausfrau, die brav hinter dem Herd steht und Mann und Kinder versorgt, hat sich, nach teilweise hartem Kampf, gewandelt. Aktives und passives Wahlrecht stehen der Frau ebenso zu wie freie Berufswahl, Studium oder Vorstands- und Aufsichtsratsposten.

 

Ein Blick auf die Weltkarte jedoch zeigt, dass diese Art Gleichberechtigung überwiegend in den Ländern zu finden ist, in denen die Demokratie als Staatsform Einzug gefunden hat: die europäischen Länder, USA, Kanada, Australien, Neuseeland.

Anders sieht es in vielen Ländern aus, in denen man sich auf den Koran und religiöse Führer beruft und in denen Jahrhunderte alte patriarchalische Clanstrukturen herrschen, in der die Rolle der Frau auf die Mutter, die Ehefrau oder die Schwester reduziert wird und sich die Ehre des Clans nach dem „Ehre-und-Schande-Prinzip“ über die „Reinheit“ der Frau, sprich ihrem sexuellen Verhalten, definiert. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass in diesem Kontext selbst bei einer Vergewaltigung die Frau selber schuld ist, da sie aufgrund ihres Verhaltens den Mann in irgendeiner Form gereizt haben muss.

Um diese Strukturen aufrecht zu erhalten und die Macht des Patriarchats zu sichern, bedient man sich der Religion, um unter diesem Deckmantel die individuelle Entfaltungsfreiheit der Frau einzuschränken bzw. zu unterdrücken.

 

Die Rückkehr des Patriarchats in Europa; Beispiele

 

Belgien 1967

 

Belgien steckt seit Jahren in einer chronischen Finanzkrise. Der belgische König Baudoin und der saudi-arabische König Faisal schließen einen Pakt: für billiges Erdöl erhält Saudi Arabien im Gegenzug per Pachtvertrag auf 99 Jahre den orientalischen Pavillon im Brüssels Park Cinquentenaire. Hier entsteht im Laufe der Jahre mit finanziellen Mitteln aus Saudi Arabien nicht nur die größte Moschee Belgiens, sondern auch eine Parallelwelt mit radikalen Schulen, die ungehindert den saudi-arabischen Wahabismus und sein frauenfeindliches Weltbild propagieren und die Menschen missionieren dürfen.

 

Deutschland 1955

 

Deutschland erlebt nach dem 2. Weltkrieg einen wirtschaftlichen Aufschwung und benötigt dringend Arbeitskräfte. Mit Italien (1955), Spanien und Griechenland (1960), Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und Jugoslawien (1968) werden Anwerbeverträge für Gastarbeiter geschlossen. Viele die kamen gingen ursprünglich von einem zeitlich beschränkten Aufenthalt aus und blieben eher unter sich. Ihr Ziel war es, die Familie in der Heimat finanziell zu unterstützen uns zu sparen, um sich dort später ein besseres Leben aufbauen zu können. Doch das Ende des Wirtschaftswachstums führte dazu, dass viele, gerade türkische Gastarbeiter blieben und ihre Familien, und damit auch die patriarchalischen Strukturen, nachholten. Und auch hier begannen sich parallele Gesellschaftsstrukturen aufzutun. Augenscheinlich hat sich nur ein Teil dieser Menschen in Deutschland integriert, sieht sich als Deutscher und respektiert das Grundgesetz.

 

Die Rolle der DITIB

 

Unerfahren im Umgang mit dem Islam überließ die damalige Regierung das Lehren der Religion ausländischen Imamen bzw „der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion e. V. (türkisch Diyanet İşleri Türk İslam Birliği, abgekürzt DİTİB)“. Sie ist eine der größten sunnitisch-islamischen Organisationen in Deutschland und untersteht der dauerhaften Leitung, Kontrolle und Aufsicht des staatlichen Präsidiums für religiöse Angelegenheiten der Türkei, welches dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist. Der Vorsitzende der DİTİB ist zudem türkischer Botschaftsrat für religiöse und soziale Angelegenheiten. Auch heute noch werden die Imame an den staatlichen theologischen Hochschulen in der Türkei ausgebildet, da man dies dort aufgrund der Sprache besser könne als in Deutschland, wir mir ein Vertreter der DITIB vor einiger Zeit erklärte. Die meisten Imame sprechen jedoch kaum Deutsch, wenn sie für fünf Jahre nach Deutschland geschickt werden und sind de facto Beamte des türkischen Staates, der sie auch bezahlt. Zunehmend gerät die DITIB aufgrund ihrer Äußerungen, bei ihnen auftretenden Hasspredigern und den teilweise als islamistisch auszulegenden Interessen der Türkei ins Fadenkreuz der Kritik. Seit September diesen Jahres prüft das Bundesamt für Verfassungsschutz, ob bzw. in wie weit eine Einstufung der DİTİB-Zentrale als Verdachts- oder Beobachtungsobjekt möglich ist. Auffallend ist, dass viele der hier in dritter, vierter Generation lebenden Deutschen mit türkischen Wurzeln die patriarchalischen Strukturen beibehalten haben und die Religion mit der Scharia als legitimen Rechtskorpus über das Grundgesetz stellen. Und damit auch ein Rollenbild der Frau, welches den allgemeingültigen Menschenrechten widerspricht.

 

Die Flüchtlingskrise

 

In einem erheblichen Ausmaß trägt auch die Flüchtlingskrise dazu bei, die 2015 ihren bisherigen Höhepunkt fand, als zig tausende Menschen nach Deutschland kamen. Ausgelöst durch ein „wir schaffen das“ und die Öffnung der deutschen Grenzen, kamen nicht nur Flüchtlinge nach Deutschland, die vom Krieg getroffen wurden. Sieht und hört man sich im Nahen Osten näher um, so wurde wie bei dem Spiel „Stille Post“ aus „Wir lassen die Flüchtlinge, die bereits in Europa sind auch nach Deutschland“ ein „Deutschland hat uns eingeladen“. Dieses Verkehren der Aussage veranlasste viele unnötiger Weise dazu, in der Hoffnung auf ein besseres wirtschaftliches Leben, Hab und Gut zu verkaufen und sich Schleppern anzuvertrauen, um nach Europa zu gelangen – um hier dann in einem Flüchtlingscamp auf die harte Realität zu stoßen. Eine Gegebenheit, die Simon Jacob, freier Journalist und stellvertretender Vorsitzender von Project Peacemaker e.V. auf seinen Reisen in den Nahen Osten immer wieder zu hören bekam.

 

Die meisten der Menschen, die in dieser Zeitspanne nach Deutschland kamen, waren Muslime, darunter leider auch viele, die eine radikale Islamauslegung vertreten, sowie einige wenige Jeziden und Christen. Dass die Geflüchteten ihre Glaubensauslegungen und anerzogenen Strukturen und Weltbilder nicht an der Grenze ablegen würden und Konflikte vorprogrammiert waren, war und konnte vielen der hiesigen Bevölkerung nicht unbedingt klar sein. Doch die Politik hätte es wissen müssen. Die warnenden Stimmen waren nicht erst seit den Übergriffen in der Silvesternacht von Köln da, sondern seit Beginn des arabischen Frühlings. Dokumentation zum Beispiel seitens der ARD mit Simon Jacob und seine Berichte (Link zur HP von Simon Jacob) wurden nur schlichtweg ignoriert und werden es teilweise heute noch von denen, die sich lieber stur stellen und auf den Schutz der Menschen die hierher kommen verweisen, ohne dabei zu bedenken, dass ihnen auch und in erster Linie der Schutz der eigenen Bevölkerung anvertraut ist. Aber dafür müsste man Fehler eingestehen und von seinem ideologischen Ross heruntersteigen. Und das tut weh. Und so haben die Frauen in Deutschland nicht nur die Übergriffe derer zu fürchten, die nicht bereit sind, unsere Werte, Traditionen und unsere Demokratie zu akzeptieren und sich danach zu richten, sondern auch diejenigen, die sich in Deutschland gegen die eigene weibliche Bevölkerung stellen, indem sie die patriarchalischen Strukturen und damit auch das verzerrte Bild gegenüber der Frau schützen.

 

Daniela Hofmann

 

Vorsitzende Project Peacemaker e.V.

Vorstandsmitglied ZOCD

Mitglied AK Council of Athena

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Das Council of Athena ist ein Zusammenschluss der beiden Arbeitskreise des Zentralrates Orientalischer Christen in Deutschland e.V. und des Vereins Project Peacemaker e.V.

 

Es ist unser Ziel, auf Missstände hinzuweisen und die Rechte der Frauen einzufordern, egal welcher Religion oder Ethnie sie angehören.

 

Der Wert der Frau in patriarchalischen Strukturen ist, häufig religiös legitimiert, weit von dem entfernt, was wir in modernen Gesellschaften als Gleichheit zwischen Mann und Frau verstehen. Reduziert auf tradierte Funktionen, z.B. die Rolle als Mutter, Schwester und Ehefrau, über deren „Reinheit“ sich die Ehre des Clans definiert, wird sie als schwächstes Glied einer Gesellschaft diskriminiert, häufig in Kriegskontexten missbraucht, um Gegner zu erniedrigen und zu schwächen. Genau das hat z.B. der IS bei seinen Raubzügen im Irak und in Syrien gemacht, als er Tausende Jesidinnen und Christinnen verschleppte und sie seinen Schergen zur Befriedung ihrer sexuellen Bedürfnisse zur Verfügung stellte. Abgeschwächt sehen wir diese Form der Entmenschlichung auch in Deutschland, wenn z.B. Ehrenmorde begangen oder Frauen offen sexuell belästigt werden.

 

Angelehnt an die symbolische Weisheit der Figur „Athena“ aus der griechischen Mythologie, gleichzusetzen mit dem weiblichen Wesen welches mehr als nur die Mutter, die Ehefrau oder die Schwester ist, wurde der Arbeitskreis „Council of Athena“ gegründet. Von Frauen, für Frauen.

 

 

  

Buchtipp:

 

Seit Jahren reist Simon Jacob durch Länder wie Syrien, Irak oder Iran. Als Angehöriger eines wichtigen Clans gelangt er an Orte, die für andere nie zuganglich waren. Dort spricht er mit Menschen, immer auf der Suche: der Suche nach Frieden, auch seinem eigenen Inneren. Seine Reise schildert auch die Schrecken dieser Kriegsgebiete. Aber mehr noch zeigt dieses Buch, dass und wie Friede wirklich möglich ist. Eine Botschaft, die vor allem in diesen Tagen Mut und Hoffnung macht und motiviert, zu kämpfen für eine bessere Zukunft und für etwas, was Simon Jacob ausgerechnet im Irak und in Syrien wiedergefunden hat: Menschlichkeit.

 

 

 

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