Format: Text
Land: Irak
Thema: Gesellschaft
Sprache: Deutsch
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Autor: David Fuhrmann
Ort: Irak
Kategorie: Artikel
Rubrik: Gesellschaft
Datum: 7.10.2019
Textdauer: ca. 10 Min.
Videodauer: ca. 2 Min.
Sprache: Deutsch
Titel: Mit Enno durch das gar nicht mal so wilde Kurdistan
 
 

 

Mit Enno durch das gar nicht mal so wilde Kurdistan

Wie ich plötzlich mit einem Berliner Bunkerbesitzer in den Irak flog und was ich dabei über den Nahen Osten lernte…

Es war im April 2019, als ich in einer kleinen Hütte in Verdun zum ersten Mal von Kurdistan hörte (Karl May hatte ich nie gelesen). Wir waren zu den letzten Dreharbeiten für unsere Peacemaker-Dokumentation hierhergekommen und während des Abendessens unterhielt ich mich mit Enno Lenze: ein im ersten Moment leicht verrückt wirkender Bunkerbesitzer, Journalist und Peacemaker aus Berlin. Doch je länger ich mich mit ihm unterhielt, desto interessanter fand ich ihn.
Er erzählte mir, wie er vor einigen Jahren einen Bunker aus dem zweiten Weltkrieg gekauft und in die größte Dokumentation über Hitler und den Nationalsozialismus verwandelt hatte. Gleichzeitig erwähnte er immer wieder seine Reisen nach Kurdistan, die autonome Region der Kurden im Nordirak.


Dort ist er seit 2011 als Kriegsberichterstatter aktiv und hat das Land seither bis zu zwei Mal jährlich besucht. Ich bin fasziniert von seinen Geschichten über die beeindruckenden Landschaften, die geschichtsträchtigen Städte, die freundlichen Menschen und angewidert vom Krieg. Dieser schreckliche Krieg ist eigentlich das einzige, das ich mit dem Irak und damit auch mit Kurdistan in Verbindung bringe. Alles was man über dieses Land in den Nachrichten sieht, sind Bilder von Soldaten, zerbombten Städten und Menschen, die vor den Fanatikern des IS fliehen. Ich bin verwirrt, als ich von ihm höre wie gerne er dort in Freizeitparks und in einer Kette namens „House of Nutella“ essen geht. Dass es dort solche Dinge abseits des Krieges gibt, erscheint mir jetzt zwar logisch, war mir damals aber nicht bewusst. Diese Erkenntnis befeuerte mein Interesse an der Region und führte später zu meiner Entscheidung:
Ich wollte dieses Land mit eigenen Augen sehen und mir selbst ein Bild davon machen, unabhängig von den Dingen, die ich in den Nachrichten darüber gehört hatte.

 

Am Ende unseres Trips nach Frankreich drückte Enno mir sein Buch „Fronturlaub“ über seine Reisen nach Kurdistan in die Hand und bot mir an, ich könne ihn auf seiner nächsten Reise begleiten.
Ich dachte mir: Mit einem Typen, den ich erst einmal getroffen habe, in den Irak fliegen? Wenn mich die Reise nicht umbringt, dann mit Sicherheit meine Eltern!

 

Also las ich sein Buch und besuchte ihn in Berlin. Ich sah mir dort seine beeindruckende Ausstellung im Berlin Story Bunker an und lernte seine Freundin Jeanne kennen, die ebenfalls in Berlin als Journalistin tätig ist. Sie wirkte recht vernünftig und hatte ihn 2017 schon einmal nach Kurdistan begleitet. Da sie lebend vor mir saß und ich wieder beeindruckende Geschichten über Kurdistan abseits des Krieges hörte, fasste ich meinen Entschluss, die beiden bei ihrer nächsten Reise dorthin zu begleiten.
Nachdem meine Eltern Enno auf der Premiere des Peacemaker-Films kennenlernen konnten und er es schaffte ihre Sorgen ein wenig zu verringern, stand meiner Reise also nichts mehr im Weg.

 

Zwei Wochen bevor es losgehen sollte, las ich dann etwas Interessantes. Auf Ennos Webseite war ein Kriegsberichterstatter-Stipendium nach Kurdistan ausgeschrieben. Der Gewinner sollte in einer kleinen Reisegruppe Einblick in diesen Beruf und die Region bekommen, ohne sich direkter Gefahr auszusetzen und dabei andere Journalisten, Politiker, NGOs, Soldaten aber auch ganz normale Kurden im Alltag kennenlernen. Mein Interesse an seiner Arbeit hatte ihn wohl auf eine Idee gebracht. Selbstverständlich habe ich mich beworben, denn als angehender Student sind meine finanziellen Mittel leider ziemlich begrenzt.
Anscheinend hatte ich bei unseren letzten Treffen einen ganz guten Eindruck hinterlassen, denn aus den über 200 Bewerbern wurde ich genommen. Nachdem damit die finanziellen Aufwendungen, meinen Flug und Unterkunft betreffend, geklärt waren, ging es an die restliche Vorbereitung.

 

Diese verlief relativ problemlos. Es war nicht das erste Mal, dass ich ohne großen Plan in ein fremdes Land reiste. Nach meinem Abitur war ich mit meiner Familie in Thailand und als unsere zwei Wochen Urlaub vorbei waren, entschied ich mich dort zu bleiben und reiste die nächsten vier Monate durch Südostasien bis ich in Neuseeland ankam. Also schmiss ich meine gesamte Sommerkleidung in meinen Koffer (im September ist in Kurdistan Hochsommer mit Temperaturen um die 40°).
Ich packte meine Kamera und was ich an fancy Reisegadgets hatte ein und kam mir dabei etwas blöd vor, als ich auf Instagram sah mit was für Equipment, schusssicheren Westen und Kameras Enno und die anderen Teilnehmer reisten.

 

Die Wochen vor meinem Abflug waren ausgesprochen interessant. Plötzlich wollten alle Freunde noch einmal etwas mit mir unternehmen, bevor ich in ihren Augen wohl auf eine Reise ohne Wiederkehr ginge. Meine Verwandtschaft reagierte auch eher entsetzt, als sie von meinem Reiseziel erfuhr. Ich konnte sie aber etwas beruhigen, indem ich ihnen ein Touristenvideo über Kurdistan zeigte, das genau dem Gegenteil ihrer Vorstellungen über diese Region entsprach. Darin sahen sie historische Städte, saftige Bergwiesen, Frauen ohne Kopftuch und Menschen, die ein normales Leben führten.
Bevor sie sich ihrer Vorurteile bewusst wurden, saß ich dann schon im Flieger.

 

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Wien landeten Enno, Jeanne und ich in Erbil, der Hauptstadt der kurdischen Autonomieregion (manchmal auch Irbil oder Arbil genannt; die Kurden halten nicht viel von Vokalen). Am Flughafen fiel mir direkt die Menge oder eher der Mangel an Touristen auf. Wir waren die einzigen, abgesehen von dem Rudel über 1,80m großer Männer mit schrankhaftem Körperbau, die alle ein Faible für 5.11 Klamotten hatten. Nachdem neben uns noch eine C17 auf dem Rollfeld landete, begann ich etwas an ihrer Aussage, sie seien bloß Touristen, zu zweifeln.

 

Wir schnappten uns unseren Leihwagen und machten uns auf den Weg ins Hotel, um den Rest kennenzulernen, der schon einen Tag vorher eingetroffen war. Dieser bestand aus Johannes Müller, seit 10 Jahren als Konfliktfotograf im Nahen Osten aktiv, Caterina, die in mehreren Flüchtlingscamps Selbstverteidigungskurse für junge Mädchen veranstaltet und Julia, die als Ernährungsexpertin den Leuten vor Ort zeigt, wie sie das Beste aus dem vorhandenen Essen rausholen können.

 

Wenn man sich von der Front fernhält, ist das Essen die größte Gefahr in Kurdistan. Der „Fresstempel“ in der Family Mall in Erbil, die wir an unserem ersten Tag besuchten, ist ein gutes Beispiel. Im ersten Stock des Einkaufszentrums, das denen in Europa in nichts nachsteht (inklusive Starbucks-Klon), wird neben westlichem Fastfood auch Unmengen an traditionellem kurdischem Essen angeboten. Anschließend aßen wir noch einen mit Schokolade übergossenen Stapel Waffeln im anfangs erwähnten „House of Nutella“. Ich dachte mir: „Würde mir jetzt jemand ein Pfefferminzplätzchen anbieten, müsste ich wohl platzen.“ Ich kann nun verstehen, warum die kurdischen Hosen so weit sind. In diesem Land erschien es mir während meiner gesamten Reise unmöglich abzunehmen, vor allem, wenn die Einheimischen beginnen einen zum Essen einzuladen, was keine Seltenheit darstellt.

 

Am nächsten Morgen machten wir mit leichter Verspätung (ich hatte nicht nur vergessen meinen Wecker zu stellen, sondern auch sämtliches Klopfen und Telefonklingeln überhört) auf den Weg in die Innenstadt.
Am Bazaar wechselte ich ganz problemlos meine Euros in irakische Dinare. Etwas verwundert war ich über die „Sicherheitsvorkehrungen“ meines Geldwechslers, der ganz entspannt an einem Tisch am Straßenrand saß, mit Stapeln unterschiedlichster Währungen vor sich. Doch dann entdeckte ich die Kalaschnikow unter seinem Tisch und hatte Mitleid mit jedem, der ihn bestehlen wollte.
Am späten Nachmittag gingen wir in den Shanadar-Park. Als wir zwischen den grünen Wiesen spazierten, sprach uns plötzlich ein Kurde auf Deutsch an: „Ihr seid Deutsche? Ich war da als Flüchtling vor Saddam. Danke, dass ihr uns geholfen habt. Jetzt müssen wir euch helfen und dafür die Terroristen fangen.“ Die Leute hier sind Deutschland für seine Hilfe gegen Saddam und jetzt den IS unglaublich dankbar. Das geht sogar so weit, dass einige Mädchen hier angeblich Angela oder Ursula heißen. Ich habe aber leider keine getroffen, um das bestätigen zu können.

 

Am dritten Tag fuhren wir Richtung Westen nach Dohuk. Wir wollten das Ourbridge Waisenhaus am Lake Mossul besuchen. Auf dem Weg dorthin zeigte sich mir das volle Potential für Chaos auf kurdischen Straßen, das in Erbil zwar vorhanden, aber noch überschaubar gewesen war. Am besten beschreibt das Enno: „Kurdisch Autofahren kann man erst dann, wenn man auf dem Seitenstreifen des Gegenverkehrs überholt.“ Also bretterten wir in unserem Landcruiser über Kurdistans Landstraßen und kämpften uns bestmöglich über plötzliche auftretende Baustellen (wenn die neue, im Bau befindliche Schnellstraße auf einmal die Landstraße kreuzt) und zahlreiche Bodenwellen, die mit Sicherheit für unzählige Achsenbrüche verantwortlich sind. Ich war sehr froh zu wissen, dass Enno ein abgeschlossenes Armored Vehicle Security Driver Training hat und ich mir deshalb um unsere Sicherheit relativ wenig Sorgen machen musste.

 

Nach gut drei Stunden Achterbahn erreichten wir das Waisenhaus von Ourbridge e.V. Nachdem man vor einiger Zeit begonnen hatte, die meisten Kinder auf Familien im angrenzenden Flüchtlingscamp Khanke zu verteilen, wurde das Haus zu einer Schule und Tagesstätte für 300 Kinder ausgebaut.
Ihre traumatischen Erlebnisse sieht man ihnen im ersten Moment nicht an. Aber die Tatsache, dass vor allem viele der Mädchen vom IS als Sexsklaven missbraucht wurden, macht mich wütend. Auch viele Jungen zeigen Nachwirkungen der IS-Ideologie. Von einem Fünfjährigen den Satz „Schau mal die Frau ist hübsch, die kannst du vergewaltigen“ zu hören ist hart. Natürlich war ihm nicht bewusst, was er da sagt, aber der Kampf gegen die Indoktrinierung ist langwierig und mühsam. Ich habe großen Respekt vor den Männern und Frauen von Ourbridge, die sich dieser Aufgabe annehmen. Die Kinder sind aber trotzdem noch genau das, was sie sein sollen – Kinder! Sie freuten sich wahnsinnig über die Seifenblasen, die ich aus Deutschland mitgebracht hatte.

 

Die zahlreichen Flüchtlinge verteilen sich in Kurdistan auf mehrere Lager. In Camp Qushtapa besuchten wir an unserem vierten Tag Caterina bei ihrem Selbstverteidigungs- und Julia bei ihrem Kochkurs. Bei Cats Kurs ist mir vor allem ein Mädchen in Erinnerung geblieben: Rojda aus Syrien.
Ihre Energie und Kampfeslust lässt sich auf eine Menge Frauen in Kurdistan übertragen, von denen auch viele zu den Peshmerga gehören (und Rojda in Zukunft bestimmt auch). Für gewöhnlich haben die Kurden ein sehr progressives Frauenbild und es ist schön zu sehen, wie es auf andere abfärbt.
Für ein solches Ergebnis werde ich gerne wieder den Boxsack spielen.
Etwas irritiert war ich nur von der Herangehensweise der NGO, die den Kurs in Qushtapa organisierte. Ich hatte oft das Gefühl, ihnen war das Rollup im Hintergrund oder ihre mit Logos bedruckten Jacken bei 45° auf den Fotos wichtiger als der Kurs an sich. Spendengelder sind zwar wichtig, man sollte aber nie das eigentliche Ziel aus den Augen verlieren: den Menschen vor Ort zu helfen.

 

Die nächsten zwei Tage verbrachten wir in und um Slemani, einer Stadt mit ca. 1,8 Millionen Einwohnern im Osten des Landes. Neben Chavy Land, einem Freizeitpark, dessen Angebot denen in Europa in fast nichts nachsteht und nur mit anderen Sicherheitsstandards noch für zusätzlichen Nervenkitzel sorgt, befindet sich hier Amna Suraka: Saddam Husseins ehemaliges Foltergefängnis und heute ein Museum. Das mit Einschusslöchern übersäte Gebäude wurde nach deutschem Vorbild aus der DDR labyrinthartig gebaut und ohne Führer hätte ich wahrscheinlich nie herausgefunden. Besonders haben sich mir die Botschaften und letzten Worte eingeprägt, die die Insassen in die Wände geritzt hatten und die man jetzt mit Übersetzung hinter Glas lesen kann.
Saddam und seine Soldaten töteten im Laufe der sogenannten ANFAL-Operationen 183.000 Kurden. Und im Gegensatz zu unseren Geschichten aus dem zweiten Weltkrieg, von denen es nur noch wenige Zeitzeugen gibt, ist dieser Völkermord gerade mal 30 Jahre her. Der international bekannteste Ort dazu ist Halabdscha, jener Ort, in dem 1988 zahlreiche Kurden durch Bomben und Giftgas von ihrer eigenen Regierung getötet wurden. Wir bekommen eine Führung durch das Monument, das an diese Verbrechen erinnert. Der Mann, der uns alles zeigt, ist den Tränen nahe.
Er hat den Angriff als Kind selbst erlebt und konnte sich über die iranische Grenze retten. Nach 20 Jahren Suche schaffte er es seine Mutter wiederzufinden, sein Vater und seine fünf Geschwister hingegen waren von Saddams Leuten ermordet worden. Am Ende unserer Führung bittet mich der Direktor des Halabdscha Monuments, die Geschichte dieses Völkermords mit nach Deutschland und in die Welt zu nehmen, damit er nicht in Vergessenheit gerät.

 

Danach besuchten wir Kaka Hama. Als Peshmerga-General hat er zuerst gegen Saddam und später den IS gekämpft. Jetzt ist er Chef der Kurdischen Sozialistischen Demokratischen Partei. Während wir sein selbstangebautes Obst und Gemüse essen, reden wir über die Lage im Land. Neben einer schleichenden Rückkehr des IS werden vor allem die Haschd al Schabi Milizen mit großer Sorge betrachtet. Obwohl sie durch die irakische Regierung gefördert werden, stehen sie dem Iran sehr nah. Sollte es zu einem Konflikt zwischen dem Iran und den USA kommen, rechnet man mit einem Amoklauf der schiitischen Milizen, die in ihrer Radikalität dem IS in nichts nachstehen sollen.
Trotzdem geben die Menschen vor Ort die Hoffnung auf Frieden nicht auf. Als Enno Kaka Hama fragt, ob er dessen Waffen inspizieren darf, antwortet dieser: „Nimm dir doch lieber eine Melone. Die Zukunft müssen wir auch ohne Waffen schaffen!“

 

Neben all diesen Geschichten von Krieg und Zerstörung hat Kurdistan aber noch sehr viel mehr zu bieten. Im Laufe meiner zwei Wochen vor Ort haben wir mehrere Freizeitparks besucht (fast jede Mall hat einen nebenan). Neben Chavy Land war besonders Majidi Land ein echtes Erlebnis. Wir hatten fast den gesamten Park für uns allein und konnten alles fahren, ohne anzustehen.
Die Einheimischen trauen sich nämlich erst sehr spät nach draußen, wenn die Sonne nicht mehr so hoch am Himmel steht. Auch Kulturbegeisterte kommen in diesem Land auf ihre Kosten. Neben Amna Suraka finden sich zahlreiche andere Museen, die die Jahrtausende alte Geschichte des Landes, das auch die Wiege der Zivilisation genannt wird, erzählen.
Wir entdeckten außerdem ein Ski-Resort auf Mt. Korek, das im Sommer mit einem schönen Badesee und Aussicht auf eine gutbewachte „Sternwarte“ mit Blick auf Teheran überzeugen kann. Während wir den malerischen Sonnenuntergang beobachteten und dass kurdische Essen genossen, dachte ich über die Gegensätze in diesem Land nach. Nach all den Grausamkeiten und Völkermorden, die an den Kurden verübt wurden, habe ich selten Menschen getroffen, die hilfsbereiter und gastfreundlicher waren als sie.

 

Ein gutes Beispiel dafür sind Jano Rosebiani und seine Frau Seivan. Er ist Regisseur, sie Fotografin. Nach langem Aufenthalt in Amerika, wohin er vor Saddams Verfolgung als Jugendlicher geflohen war, kehrte er in seine Heimat zurück, um seine Landsleute zu unterstützen. Jetzt dreht er Filme über die Verfolgung der Kurden und hat unter anderem mit seinem Film JIYAN internationale Bekanntheit erlangt. Er hat uns zum Essen eingeladen, um uns von seinem nächsten Projekt zu erzählen. Er möchte eine kurdische Filmförderung gründen, damit das Land von seinen atemberaubenden Landschaften und Geschichten endlich profitieren kann.  Außerdem arbeitet er zusammen mit seiner Frau an einem Film über die Sexsklavinnen des IS, zu denen Seivan bereits eine beeindruckende Bilderreihe veröffentlicht hat. Dass dieser Film nicht viele Zuschauer haben wird stört ihn nicht, denn es ist eine Geschichte die, wie er sagt, erzählt werden muss.

 

Als ich nach zwei Wochen wieder im Flieger sitze, denke ich über meine Erlebnisse nach. Das ist er also, der Nahe Osten. Chaotisch und voller Konflikte? Definitiv, aber zumindest Kurdistan ist so viel mehr! Es ist ein Land voller Potential. Die Kurden haben es geschafft zahlreiche Religionen und Kulturen unter einen Hut zu bringen, ohne wirklich ein eigenes Land zu besitzen. Obwohl (oder vielleicht auch weil) sie sehr lange verfolgt wurden, nehmen sie viele Flüchtlinge auf und das deutlich besser als Deutschland, trotz ihrer geringen Ressourcen.
Würden die Berichte über Kurdistan nicht vom Krieg gegen den IS überschattet werden, könnte es ein beliebtes Reiseziel im Nahen Osten werden. Es ist einfach zu erreichen und die nötigen Hotels und Infrastruktur sind vorhanden oder im Bau. Die Leute sind freundlich und hilfsbereit, Kriminalität ist so gut wie nicht existent. Die politische Lage ist stabil und sollte man sich über die Sicherheitslage in einem Gebiet nicht sicher sein, wird jeder Peshmerga einem mit Freude Auskunft geben.
Während ich in München ankomme und in die wie immer unfreundlichen Gesichter unserer Zollbeamten schaue, habe ich das Gefühl, dass viele in Deutschland vergessen haben, was wir hier eigentlich haben und wofür die Kurden seit Jahren kämpfen: Schutz vor Verfolgung und vor allem Frieden.

 

Project Peacemaker wurde gegründet, um über positive Dinge aus Regionen zu berichten, aus denen man selten Gutes hört. Es wurde gegründet, um Menschen zusammenbringen, die ihre Vorurteile überwinden, um gemeinsam in eine friedlichere Zukunft zu blicken. Das habe ich auf dieser Reise getan. Ich habe mir selbst ein Bild von einem Land gemacht, in das ich nie glaubte zu reisen. In gewisser Weise sind damit auch alle, die diesen Text lesen, Peacemaker. Mit diesem Artikel versuche ich meine Erkenntnisse zu teilen. Ich könnte noch so viel mehr schreiben, aber für einen ersten Überblick soll es genügen.
Aber jedem, der mehr über dieses besondere Land wissen möchte, lege ich Ennos Webseite ans Herz; einige Artikel habe ich auch vorher schon verlinkt.

 

Dieser Besuch wird nicht mein Letzter gewesen sein. Bis bald Kurdistan und Surspas für alles…

Danke Enno, dass du mich mit auf diese unvergessliche Reise genommen hast.

 

David Fuhrmann

 

 

 

  

Buchtipp:

 

Seit Jahren reist Simon Jacob durch Länder wie Syrien, Irak oder Iran. Als Angehöriger eines wichtigen Clans gelangt er an Orte, die für andere nie zuganglich waren. Dort spricht er mit Menschen, immer auf der Suche: der Suche nach Frieden, auch seinem eigenen Inneren. Seine Reise schildert auch die Schrecken dieser Kriegsgebiete. Aber mehr noch zeigt dieses Buch, dass und wie Friede wirklich möglich ist. Eine Botschaft, die vor allem in diesen Tagen Mut und Hoffnung macht und motiviert, zu kämpfen für eine bessere Zukunft und für etwas, was Simon Jacob ausgerechnet im Irak und in Syrien wiedergefunden hat: Menschlichkeit.

 

 

 

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