Traut Euch …. Ihr haltet die Zukunft in Euren Händen

In den letzten Jahren habe ich unzählige Vorträge gehalten, an Podiumsdiskussionen und Workshops teilgenommen oder war einfach Gast in einer Talkrunde mit Experten zu verschiedensten geopolitischen, religiösen oder gesellschaftlichen Themen.

Dabei kann ich durchaus mit etwas stolz sagen, dass ich über Stiftungen, politische Institutionen, religiöse Gemeinschaften, Universitäten bis hin zu militärischen Einrichtungen so ziemlich alle gesellschaftlichen Schichten bereits besucht habe. Wenn man mich allerdings fragen würde, an welchen Orten ich mein Wissen am liebsten teile und weitergebe, so wird meine Antwort vielleicht einige überraschen. Einhergehend mit dieser Überraschung folgt vielleicht auch der Gedanke, dass ich gute Gründe für diese Präferenz habe.

Es sind Schulen. Einrichtungen voller junger Menschen, Mädchen und Jungen, mit denen ich gerne meine jahrelangen Erfahrungen teile. So auch vor kurzem am Carl – Spitzweg – Gymnasium in Germering bei München. Die Lehrerin der 11. Klasse, die eine mediale Projektgruppe leitet, wurde durch meine journalistischen Aktivitäten im Nahen Osten auf mich aufmerksam und bat mich, den Schülern bei den bevorstehenden Aufgaben behilflich zu sein. Wenn möglich sollte ich an einem Nachmittag in der Schule vorbeikommen, um den Teammitgliedern des Projektes, die sich mit meinen Artikeln intensiv beschäftigt hatten, Fragen zu meinen Beweggründen zu beantworten. Ich muss zugeben, dass ich einen sehr engen Zeitplan habe und manchmal fällt es mir schwer, selbst wichtige politische Termine wahrzunehmen. Doch Schülern zu begegnen, die von sich aus den Gedanken hegen etwas bewegen zu wollen, etwas Kreatives außerhalb des schulischen Alltags, eingeengt in eine vorgebebene Leistungsschablone, zu schaffen, wäre mir jede Zeit der Welt wert gewesen.

Warum sollte ich nun Schülern mehr Wert beimessen als politischen Anlässen, die vielleicht mehr Ansehen, mehr Kontakte bedeuten?

Nun, das ist, ausgehend von meinen Prinzipien, recht einfach zu beantworten.

Dadurch, dass sich unsere Welt in den letzten 20 Jahren durch Globalisierung und Digitalisierung komplett verändert hat, stehen junge Menschen heute vor immensen Herausforderungen. Früher musste ich, als Kind und Jugendlicher, Wissen in einer Bibliothek suchen. Und wenn ich Pech hatte, so war das eine Buch, welches ich so dringend gebraucht hätte, für Wochen ausgeliehen. Die Heranwachsenden heute kennen dieses Problem nicht. Das Smartphone eröffnet digitale Welten mit Millionen Exemplaren des einen Buches, welches man gerade benötigt. Das ist der positive Aspekt einer Wissensgesellschaft. Literatur, wissenschaftliche Berichte, Artikel, Analysen und Studien sind jederzeit und in einer unendlichen Anzahl immer und überall verfügbar.

Doch offenbar hat die digitale Revolution in ihrer größten Stärke gleichzeitig auch eine ungeahnte Schwäche, die eine Gefahr für die kommende Generation bedeuten könnte und diese dermaßen überstrapaziert, dass ein humanes und nach moralischen Prinzipien erforderliches Handeln als Erwachsener nicht mehr möglich wäre. Kinder und Jugendliche müssen heutzutage nicht nur eine unglaublich vielfältige Datenflut bewältigen. Sie sehen sich leider zusätzlich noch mit Material und Ereignissen konfrontiert, die ihnen die Schattenseiten des Internets vor Augen halten. Extremistisches Gedankengut, Fake-News oder gar brutale und unmenschliche Hinrichtungen durch islamistische Gruppierungen, bleiben ihnen nicht erspart. Und als ob dies alles nicht genug wäre, müssen sie sich auch noch der Tatsache bewusst werden, dass sie mit einem Klick, einem Post, einer Bemerkung oder einem nicht ernst gemeinten Scherz in den sozialen Medien dieser Welt eine Kettenreaktion ungeahnten Ausmaßes auslösen können, die mintunter ganze Leben zerstört.

Ja, es ist eine schwere Bürde, die junge Menschen, mehr als ich es jemals tat, tragen müssen.

Bereiten wir sie nicht jetzt schon darauf vor, handeln wir verantwortungslos. Denn dann werfen wir sie, ohne digitalen Fallschirm und Sicherheitsgurt, in eine Welt voller Gefahren, die wir als Erwachsene gerade erst begreifen.

Wie soll es also einem Schüler ergehen, der gerade Mal im Jugendalter ist?

An diesem Tag bei den Schülern angekommen begann ich, wahrscheinlich zur Überraschung aller Anwesenden, zunächst einmal mit einem Vortrag über die Digitalisierung des Krieges.

Gerne habe ich den Nachmittag mit den Schülern und Schülerinnen der 11. Klasse des Carl –Spitzweg – Gymnasiums verbracht. Denn diese Jugendlichen, die sich engagiert für ein sinnvolles und gutes Projekt einsetzen, sind es nicht nur wert unterstützt zu werden.

Sie haben unser aller Anerkennung verdient, weil sie Mut an den Tag gelegt haben.

Traut Euch und macht weiter so.

Denn Ihr haltet die Zukunft in Euren Händen.

Buchtipp:

Seit Jahren reist Simon Jacob durch Länder wie Syrien, Irak oder Iran. Als Angehöriger eines wichtigen Clans gelangt er an Orte, die für andere nie zuganglich waren. Dort spricht er mit Menschen, immer auf der Suche: der Suche nach Frieden, auch seinem eigenen Inneren. Seine Reise schildert auch die Schrecken dieser Kriegsgebiete. Aber mehr noch zeigt dieses Buch, dass und wie Friede wirklich möglich ist. Eine Botschaft, die vor allem in diesen Tagen Mut und Hoffnung macht und motiviert, zu kämpfen für eine bessere Zukunft und für etwas, was Simon Jacob ausgerechnet im Irak und in Syrien wiedergefunden hat: Menschlichkeit.

Bestellbar über

Picture of Simon Jacob

Simon Jacob

Simon Jacob (1978 in Tur Abdin, Türkei) kam als Kind nach Deutschland, wo er eine kaufmännische Ausbildung absolvierte und später in verschiedenen Führungspositionen der IT- und Technologiebranche arbeitete. Seine berufliche Laufbahn umfasste u.a. Positionen im Projektmanagement und der Marktforschung mit Schwerpunkten in Automotive, Sensorik und Digitalisierung. Neben seiner Karriere engagierte sich Jacob ehrenamtlich als Integrationsbeauftragter der Syrisch-Orthodoxen Kirche und war Vorsitzender des Zentralrats Orientalischer Christen in Deutschland. 2015 initiierte er die „Peacemaker-Tour“, ein journalistisches Projekt, bei dem er Krisenregionen im Nahen Osten bereiste, um den interkulturellen Dialog zu fördern und auf die Lage religiöser Minderheiten aufmerksam zu machen. Seine Erfahrungen und Einsichten, vor allem zu Demokratie und Menschenrechten, teilt er in Artikeln, Vorträgen und seinem bald erscheinenden Buch.
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